Fajin – die Energie sammeln und wieder ausstoßen im Tai Chi

Eine sanfte Berührung schleudert einen Gegner meterweit davon. Das ist Fajin, eine Technik aus dem Tai Chi Chuan.

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Denn Tai Chi Chuan ist nicht nur eine Rentnergymnastik. Es ist auch eine sehr effektive Kampfkunst.

Für Fajin wird die Energie gesammelt und im richtigen Moment wieder abgegeben.

Es ist zwar eine mythische Technik und wird auch von manchen entsprechend propagiert. Es ist aber bestimmt keine Zauberei.

Die Energie speichern zum Fajin

Die Explosivkraft wird scheinbar mühelos hervorgerufen. Diese Kraft wird einfach losgelassen. Um sie loslassen zu können, muss sie zuvor gespeichert werden.

Eine Grundlage dafür sind die Sehen. Die Sehnen speichern die Energie. Je mehr sich die Muskeln zurück nehmen, umso besser können die Sehnen diese Arbeit übernehmen.

Ein klassisches Beispiel aus dem Tierreich ist das Känguru. Es holt seine Sprünge nicht aus den Muskeln sondern aus den Sehnen. Je elastischer die Sehen sind, umso weniger Kraft wird verbraucht.

Etwas ähnliches kann auch der Mensch machen. Durch einen federnden Gang wird jede Menge Energie gespart, weil die Energie gespeichert wird.

Beim Tai Chi Chuan entspannen die Muskeln und damit werden die Sehnen trainiert.

Ein weiterer Energiespeicher ist das Bindegewebe. Das Bindegewebe ist im ganzen Körper vernetzt. Es kann eine einzigartige Elastizität schaffen.

Dazu kommt eine optimale Körperhaltung und eine korrekte Verwurzelung („Rooting“) .

Eine tiefe Entspannung legt die Grundlage für Fajin.

Dann kann sogar die eindringende Kraft des Gegner neutralisiert und gespeichert werden.

Dazu kommt das Fühlen der Struktur des Gegners. Wo liegt dessen Schwerkraftzentrum. Um an der richtigen Stelle ansetzen zu können.

 

Im Video „Fajin (Fajing) Exercises of The Pre-Heaven Power Method“ (Spieldauer 03:17 Minuten) wird die Technik vorgeführt. Mit zwei Armen, mit der Schulter, mit einem Arm. Die „Gegner“ werden immer wieder gegen eine gepolsterte Wand geschleudert.

 

Die Entladung beim Fajin

Die Fajin Energie wird ein einer explosiven, blitzschnellen Ganzkörperbewegung abgeschossen. Von den Fußsohlen bis zur Haarspitze sind alle Muskeln, Knochen, Sehnen, Bänder und Faszien beteiligt.

Diese Kraft entsteht aus einer tiefen Entspannung heraus. Sie wird anscheinend mühelos hervorgerufen. Der Körper muss dabei optimal ausgerichtet sein, er muss innerlich sinken.

Die Atmung wird mit einbezogen. Manchmal auch durch die geheimen Laute, welche die Fajin Kraft noch einmal verstärken.

Auch die Vorstellungskraft gehört zu den Techniken.

Der Peitscheneffekt beschreibt die Einbeziehung des ganzen Körpers. Die Füße sind wie der Griff der Peitsche. Beine und Hüften sind der Peitschenstil. Hände und Finger sind das Ende der Peitschenschnur. Der Impuls kommt aus den Füßen, geht durch einen entspannten Körper und entlädt sich in der Hand.

Eine Fajin Demonstration ist das Löschen einer Kerze. Durch einen schnellen Stoß vor die Kerzenflamme wird diese ausgeblasen.

Im Zweikampf wird Fajin in Push Hands Anwendungen trainiert. Denn es ist eigentlich eine Partnerübung. Es gilt ein Gefühl für den Partner zu entwickeln. Seine Kräfte zu neutralisieren und ihn aus dem Gleichgewicht bringt.

In jeder Tai Chi Figur steckt die Möglichkeit, die Explosivkraft anzuwenden. Sie muss für jede Figur einzeln gelernt werden. Das muss nicht immer nur mit den Händen sein. Es können auch die Beine, der Ellbogen oder die Schulter die Kraft abgeben.

 

Im Video (Spieldauer 15:52 Minuten) geht der Tai Chi Lehrer Wee Kee Jin auf grundlegende Techniken ein, die beim Loslassen der Explosionskraft zu beachten sind.

 

Fajin trainieren

Die Explosivkraft wird in den Push Hands Übungen trainiert. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Methoden.

Die Stöße werden im schnellen Tai Chi geübt. Das ist die ganz normale Tai Chi Form, nur wird im ersten Teil jeder Figur die Energie gesammelt und sie im zweiten Teil dann wieder entladen.

Dann gibt es auch noch die Übungen mit dem Speer. Dabei wird der Speer wie eine Peitsche bewegt.

 

Der Name Fajin

Das Wort ist zusammengesetzt aus zwei Schriftzeichen.

Fa = abfeuern, entladen, ausstoßen

Jin = Energie, Kraft

Es kann übersetzt werden mit: die Energie entladen, die Energie ausstoßen

Hier weitere Informationen zum Thema Fajin – ansehen beim freien Lexikon Wikipedia

 

Außer in Tai Chi noch in anderen Kampfkünsten

Fajin gibt es nicht nur im Schattenboxen.

Da sind zunächst die inneren Kampfkünste, die alle Entladungstechniken kennen. Im Xingyiquan ist das besonders ausgeprägt.
Xingyiquan – die Innere Kampfkunst zum austoben

Beim Dim-Mak kommt es besonders darauf an, mit einem blitzschnellen Schlag einen Nervenpunkt zu treffen.
Dim-Mak – der Mythos tödliche Berührung der Nervenpunkte

Aber auch im Karate gibt es solche Techniken. Zum Beispiel der Inch-Punch von Bruce Lee. Der auf kürzeste Distanz einen kraftvollen Schlag entwickeln konnte.
Jeet Kune Do – der Kampfstil von Bruce Lee

 

 

Fajin – Lehrbuch (Englisch): Wie kann die Energie gesammelt und auch wieder abgegeben werden? Wie man der natürlichen Reaktion widerstehen kann, auf eine eindringende Kraft mit einer Gegenkraft zu reagieren. Wie in den Push Hands Partnerübungen die Grundlage dafür gelegt werden kann, die Fajin Technik zu beherrschen.: Tai Chi Fa Jin. Advanced Techniques for Discharging Chi Energy. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Kampfsportler rubbeln Beschwerden einfach weg – Buchtipp: Der Sekundensieg durch gezieltes Schlagen auf Vitalpunkte ist das Markenzeichen der Kampfkunst Kyusho Jitsu. Diese Punkte können aber auch für eine schnelle Erste Hilfe noch auf der Matte genutzt werden. Das kann helfen bei Zerrungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und anderem.: Vitale Punkte - Erste Hilfe. Buch. – ansehen bei Amazon

 

 

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