Im Kampfsport Arnis wird jeder Gegenstand zu einer Waffe

Arnis (Escrima, Kali) ist ein Kampfsport von den Philippinen, bekannt auch als die „Kunst der wirbelnden Stöcke“. Es ist eine „lebende“ Kampfkunst, die Techniken von anderen Kampfsportarten aufsaugt.

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Von der ersten Stunde an bekommt der Arnis Übende einen Stock in die Hand. Mit den Stocktechniken kann er dann auch andere Waffen handhaben. Die Techniken können sofort zur Selbstverteidigung genutzt werden.

Arnis ist auch eine Ausbildung zum Beidhänder. Die nichtdominante Hand wird genauso geschickt wie die dominante Hand.

Mit Arnis (Escrima, Kali) die gleichen Bewegungen für alle Waffen

Der Anfänger bekommt bei Arnis (Escrima, Kali) schon bei seinem ersten Training eine Waffe in die Hand gedrückt. In anderen Kampfsportarten kommen die Waffentechniken erst nach einem langen Übungsweg mit den Handtechniken an die Reihe. Bei Arnis ist es genau umgedreht. Der Handkampf kommt zum Schluss und nutzt die Bewegungen aus den Waffentechniken.

Arnis war ursprünglich eine Selbstverteidigung für die Bauern. Das Training sollte sofort etwas bringen und die beste Selbstverteidigung ist immer noch die mit einer Waffe. Es ging ums Überleben.

Das Waffentraining trainiert effektiv die natürlichen Reflexe, das Distanzgefühl und die Koordinationsfähigkeit.

Das Ziel von Arnis Training ist es auch, immer bereit zu sein. Plötzlich, ohne Aufwärmen und in hinderlicher Straßenkleidung muss diese Selbstverteidigung funktionieren.

Ursprünglich waren die Techniken gedacht für Schwerter und Macheten. Diese zu tragen wurde aber immer wieder verboten, so traten Stöcke an die Stelle von stählernen Waffen. Deshalb wurde ein ca. 70 cm langer Rattanstock zur Standardwaffe im Arnis.

Die mit dem Rattanstock einstudierten Bewegungsmuster können dann auf andere Waffen übertragen werden. Die Waffen werden austauschbar.

Als Waffen können dann auch Alltagsgegenstände genutzt werden, wenn gerade keine Waffe zur Hand ist. Das kann ein Kugelschreiber sein, ein Schlüsselbund, eine zusammengerollte Zeitung oder ein Schuh.

Arnis wird auch als „lebende“ Kampfkunst bezeichnet, weil es Techniken von anderen Kampfsportarten aufsaugt und keinen Wert auf eine „Reinheit“ des Stils legt, wie es bei vielen anderen asiatischen Kampfkünsten der Fall ist.

Zum Schluss werden auch Handtechniken trainiert. Die waffenlosen Techniken sind die Bewegungsmuster der Waffentechniken, die dann als Handtechniken angewendet werden. Die Waffe wird ersetzt durch die Faust, die Handfläche, den Ellenbogen oder die Finger.

Ein wichtiger Teil der waffenlosen Selbstverteidigung sind die Entwaffnungstechniken. Angriffe mit Waffen werden mit der leeren Hand nicht einfach nur abgewehrt. Der Gegner wird waffenlos gemacht.

 

Im Video (Spieldauer 04:34 Minuten) wird eingegangen auf Geschichte und Techniken von diesem Kampfsport.

 

Mit Arnis (Escrima, Kali) vom Einhänder zum Beidhänder werden

Mit Arnis werden beide Hände trainiert.

Allein schon mit der linken Hand zu fechten statt mir der rechten bringt einen Vorteil. Der Gegner wird aus seinem gewohnten Konzept gebracht. Das wussten schon die alten Schwertkämpfer.

Der Arnis Kämpfer ist noch flexibler, weil er mit beiden Händen gleichzeitig kämpfen kann. Viele Arnis Bewegungen sind Angriff und Verteidigung im gleichen Moment. Das funktioniert, weil der Kämpfer zwei gleichwertige Hände zur Verfügung hat.

So kann beispielsweise das „Konzept der alten Männer“ umgesetzt werden. Der Arnis Kämpfer hält in der einen Hand einen Stock und in der anderen Hand ein Messer. Der Stock, die längere Waffe, hält den Gegner auf Distanz und bekämpft ihn. Mit dem Messer, der Waffe für die kurze Distanz, wird die Abwehrfähigkeit des Gegners reduziert und ein Nahkampf verhindert. Mit so einem Kampf über zwei Distanzen kann man sich einen fitteren, jüngeren Gegner vom Leibe halten, der einem im Nahkampf überlegen wäre.

Um diese „Doppel Hand Fähigkeit“ zu erlangen, werden im Arnis viele Bewegungsabläufe simultan mit zwei Händen bzw. zwei Stöcken trainiert. Es wird spiegelverkehrt geübt oder mit einem versetzten Rhythmus. So wird der Übende zu einem Beidhänder.

In diesem Kampfsport wird die linke Hand bei Rechtshändern bzw. die rechte Hand bei Linkshändern bezeichnet als: Live-Hand. Sie hängt nicht wie tot in der Gegend herum, sie wird gleichwertig benutzt.

Vor einem Angriff beginnt die Live-Hand schon mit dem Schutz von Kopf und Hals. Auch zum Schutz vor einen Kollateralschaden, falls die eigene Waffe zurückprallen sollte.

Damit die Live-Hand für einen Gegenangriff immer bereit ist, werden die Finger der Live-Hand auf die Augen des Gegners ausgerichtet. Die Finger „jagen“ die Augen des Gegners. In einer Kampfsituation nimmt allein schon die beidhändige Fähigkeit dem Gegner die Lust auf einen Angriff.

Der Arnis Kämpfer kann auch mit einer leeren Hand angreifen und eine Waffe in Bereitschaft halten. Er kann mit der Waffe auch einen Waffenangriff abwehren und gleichzeitig mit der leeren Hand angreifen. Einem bewaffneten Angreifer eine Ohrfeige zu geben hinterlässt Eindruck.

Die erworbene Beidhändigkeit ist auch hilfreich in anderen Kampfsportarten und in Eins-zu-Eins-Kontakt Sportarten wie Handball oder Tennis. So kann ein Gegner mit einem unerwarteten Wurf oder Aufschlag überrascht werden.
Beidhänder können auch besser musizieren, da die meisten Instrumente mit beiden Händen gespielt werden.

 

Im Video (Spieldauer 12:00 Minuten) ist eine Vorführung auf einer Bühne zu sehen. Gezeigt werden Übungen und Kampftechniken.

 

Die Geschichte von Arnis (Escrima, Kali)

Arnis (Escrima, Kali) gehört zu den Filipino Martial Arts (FMA), zu den philippinischen Kampfkünsten. Meist wird es mit diesen sogar gleich gesetzt.

Die Wurzel dieser Kampfkunsttechniken liegt im südostasiatischen Raum. Seefahrern von dort besiedelten vor Jahrhunderten die Philippinen und brachten ihre Kriegskünste mit. Im Lauf der Zeit entwickelt sich daraus ein unabhängiger Stil.

Als die Spanier als Kolonialmacht auftraten, erwies sich im Befreiungskampf die philippinische Kampfkunst als sehr erfolgreich. Erst die Feuerwaffen brachten den Kolonialherren den Sieg.

Die philippinische Kampfkunst wurde verboten und die Filipinos wurden kreativ im Tarnen ihrer Kampftechniken. Statt mit Schwertern und Macheten wurde mit Stöcken geübt. Diese Übungen wurden auch noch durch tänzerische Elemente maskiert.

Es begann auch die Entwicklung, nicht mehr starr an den Traditionen festzuhalten sondern sich neuen Techniken zu öffnen. Dazu gehörten auch die Techniken europäischer Fechtschulen.

Im Zweiten Weltkrieg und im Vietnamkrieg wurden von den USA auch philippinischen Soldaten eingesetzt, die so die amerikanische Staatsbürgerschaft erwerben konnten. Diese Einwanderer brachten dann auch Arnis (Escrima, Kali) mit in ihre neue Heimat.

Auf den Philippinen verbot die Regierung die bis dahin oft blutigen Arniskämpfe und ließ daraus einen Kampfsport entwickeln. Heute ist Arnis (Escrima, Kali) auf den Philippinen offizieller Nationalsport und wird an allen Schulen unterrichtet.

 

Die Bedeutung und Übersetzung der Namen Arnis, Kali und Escrima

Die Wörter „Arnis“, „Kali“ und „Escrima“ beschreiben auf den Philippinen ein und denselben Kampfsport. In Europa und Nordamerika werden gelegentlich Unterschiede gemacht.

Arnis: Dieses Wort stellt eine Verballhornung des spanischen Wortes „Arnes“ dar. „Arnes“ bedeutet „Rüstung“, „Harnisch“. Die spanischen Eroberer waren in ihren schwerfälligen Rüstungen den flexiblen philippinischen Kämpfern unterlegen. Sie waren zu langsam, um ihre ungeschützten Stellen verteidigen zu können. In Deutschland wird Arnis oft gleichgesetzt mit Stockkampf.

Eskrima: Dieses Wort stammt ab vom spanischen Wort „Esgrima“, was zu Deutsch „Fechten“ bedeutet. Eskrima wird manchmal auch mit „c“ geschrieben: „Escrima“.

Kali: Für den Ursprung des Wortes „Kali“ gibt es mehrere Deutungen. Das Wort „Kali“ soll zusammengesetzt sein aus den alt-malaiischen Worten „Kahmot“ (Hand) und „Lihok“ (Körper); also für die Bewegungen von Hand und Körper. Als Namensgeber werden aber auch vermutet die indische Göttin Kali oder der alt-malaiische Name für Schwert = „Kalis“. In Deutschland wird Kali oft gleichgesetzt mit Schwertkampf.

Classical Arnis: Mit dem klassischen Arnis ist die ursprüngliche Kriegskunst gemeint. Die Waffen sind historische und ethnische Klingenwaffen wie Kurzschwert, Säbel, Kris, Barong oder Kampilan. Wird verhältnismäßig wenig praktiziert.

Modern Arnis: Ist der Kampfsport, der heute in der Regel trainiert wird. Es werden die Grundtechniken mit dem Stock gelernt, die dann auf andere Waffen und Alltagsgegenstände übertragen werden können. Modern Arnis wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem klassischen Arnis entwickelt.

Daneben werden noch Begriffe verwendet wie „Combat Arnis“ oder „Real Arnis“.

Weitere Namen für diesen Kampfsport sind: „Die Kunst der wirbelnden Stöcke“ und „Die Kunst der fliegenden Stöcke“.

Der Tonfa ist eine der Waffen, der mit Arnistrechniken trainiert wird.: Tonfa – das Schweizer Messer unter den Schlagstöcken

Hier mehr Informationen beim freien Lexikon Wikipedia zum Thema: Filipino Martial Arts (A r n i s / E s c r i m a / K a l i)

 

Die Arnis Techniken lernen – Buch: Die Übungsabläufe werden in Bild und Text erklärt. Gelehrt werden auch Techniken zur Abwehr von Messerangriffen und die Zweihand-Techniken.: Philippinische Kampfkunst: Techniken und Konzepte des Balintawak- A r n i s. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Im Straßenkampf überleben – Buch: Das Wissen, das man nicht im Dojo lernt. Rechtzeitig erkennen, wenn jemand einen unerwartet angreifen will. Wie reagieren, wenn jemand einem böse Blicke zuwirft? Tricks und Geschichten.: Billige Tricks, Hinterhalte und andere Lektionen: Ein grundlegendes Handbuch über die Selbstverteidigung und das Überleben. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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