Capoeira Kampfsport – der Sklave kämpft schnell und trickreich

Das Wort Capoeira beschreibt einen kleinen Vogel. Zum Namensgeber für einen Kampfsport wurde er, weil das Männchen allen Rivalen furchtlose und wilde Kämpfe liefert.

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Capoeira ist ein Kampfsport, bei dem der Kämpfer immer in Bewegung ist.

Im Mittelpunkt dieses Kampfsports steht die Lebensfreude. Der eigentliche „Kampf“ kommt ohne Körperkontakt aus.

Die Bewegungen sind sportlich sehr anspruchsvoll, oft wird regelrecht auf den Händen getanzt.

Wer einen Hang zur Akrobatik hat, der kommt hier voll auf seine Kosten. Darum kommen auch Frauen und Kinder in dieser Sportart besser zurecht als Männer.

 

Das Video (Dauer 27:07 Minuten) gibt im Folgenden den Blick in eine Roda frei. Es vermittelt die Atmosphäre eines Capoeira Trainings. Das Kampftraining, das aus kleinen Wettkämpfen besteht. Die Musik, der Rhythmus, das Lebensgefühl. Im Ton sind die Trainingsgeräusche zu hören und die Musik, die von den Teilnehmern kommt.

 

Capoeira ist der „Kampf“ in einem Kreis

In diesem Kampfsport wird nach ungeschriebenen Regeln gekämpft, die seit Generationen nur mündlich weitergegeben werden und sich von Schule zu Schule unterscheiden.

Es gibt kein Regelwerk, das einem Anfänger in die Hand halten könnte. Das Lernen der Regeln erfolgt nur im persönlichen Kontakt.

Eine Regel gibt es aber doch. Alle Teilnehmer bilden eine Kreis, in dessen Mitte ein Zweikampf denn anderen abwechselt.

 

Der Kreis bildet sich

Das Training beginnt, wenn alle Teilnehmer einen Kreis gebildet haben. Das kann in einer Turnhalle sein oder irgendwo im Freien. Im Sommer treffen sich die Capoeiristas gerne im Park. In jedem Fall wird es ein gemeinschaftliches Sporterlebnis, auch für die Zuschauer.

Dieser Kreis aus Capoeiristas wird „Roda“ (portugiesisch „Kreis“ oder „Runde“) genannt. Alle Teilnehmer versetzen sich in Stimmung mit brasilianischen Rhythmen. Einige haben dafür Instrumente dabei, die anderen klatschen im Takt und singen den Refrain des Liedes, das gerade gespielt wird. Niemand darf sitzen. Die Berimbau (Musikbogen) Spieler bestimmen den Rhythmus. Der Kampf wird durch Musik eingeleitet und endet mit der Musik.

 

Das Spiel

Aus dem Kreis lösen sich zwei Teilnehmer, die miteinander „spielen“ wollen. In der Regel mit einem Radschlag begeben sie sich in die Mitte der Roda.

Den Kampf nennt man „Spiel“ oder auch „Gespräch“. Denn es folgt vielmehr ein körperlicher Dialog als ein Kampf.

Die beiden Spieler führen einen Kampftanz auf, bei dem Angriff und Verteidigung in ständigem Wechsel sind. Ein Angriff wird nicht geblockt. Einem Angriff wird vielmehr ausgewichen und mit einem Gegenangriff geantwortet.

Ein Spiel dauert maximal eine Minute. Dann treten die nächsten zwei Capoeiristas in die Roda und ein neues Spiel beginnt schliesslich.

 

Täuschung als die Seele des Capoeira

Die wichtigste Methode in diesem Kampfsport ist jedenfalls die Täuschung (Malicia). Die eigene Stärke nicht zeigen, damit der Gegner unvorsichtig wird und einen Fehler macht. Den Gegner lasse ich nie aus den Augen. So entstehen dann Gelegenheiten.

Wer die Täuschung gut beherrscht, der braucht nur wenige Techniken zu können, um als Sieger vom Platz zu gehen. Mit Malicia wird der Ausgang eines jeden Kampfes somit ungewiss. Auch deshalb, weil derjenige zum Sieger erklärt werden kann, der allen Angriffen seines Gegners auszuweichen konnte.

 

Capoeira Techniken

Die grundlegende Kampftechnik im Capoeira ist: Ginga. Immer in Bewegung sein, nie vollständig ruhen.

Da jedem Angriff auch noch grundsätzlich ausgewichen wird, stellt der Kämpfer kein leicht zu treffendes Ziel dar.

Ginga beschreibt einen federnden Grundschritt. Alle Techniken sind dann durch Ginga miteinander verbunden.

Die Techniken sind sehr akrobatisch. Es sind viele tiefe Bewegungen dabei, die dann aus der Hocke kommen. Es werden Räder geschlagen und überhaupt verbringt ein Capoeira Kämpfer einen großen Teil seiner Zeit auf seinen Händen. Dazu kommen obendrein viele Bewegungen des Ausweichens, Manöver der Täuschung und Ausschmückungen.

Waffen gehören jedoch nicht zu diesem Kampfsport.

 

Geschichte des Capoeira

Capoeira entwickelten Schwarzafrikanern, verschleppt als Sklaven nach Amerika.

Genauer gesagt waren es Mitglieder der Bantu-Stämme aus dem heutigen Angola, versklavt für die portugiesischen Kolonien in Brasilien.

Heute wird unterschieden zwischen dem traditionellen C a p o e i r a Angola und dem neueren „Capoeira Regional“, in das dazu die Techniken anderer Kampfsportarten mit eingeflossen sind.

Capoeira war äußerlich ein Tanz der Sklaven, entwickelt aus den afrikanischen Tänzen der Vorfahren. Sichtbar vor aller Augen und doch verborgen wurde somit ein Kampfsport betrieben.

Eine legendäre Station für diesen Kampfsport ist die Sklavenrepublik Palmares. Tausende entlaufener Sklaven konnten hier im Nordosten Brasiliens für Jahrzehnte ihre Unabhängigkeit behaupten. Viele Angriffe konnten überdies zurückgeschlagen werden. Das Training von Capoeira soll dabei geholfen haben.

Kurz nach der Proklamation der Republik Brasilien wurde 1889 schliesslich ein Gesetz erlassen, welches die Ausübung von Capoeira unter Strafe stellte. Dieser Kampfsport wurde daraufhin heimlich weiter trainiert.

Im Jahr 1937 fiel das Verbot dann wieder. Capoeira entwickelte sich zu einem brasilianischen Nationalsport.

 

Capoeira Videos

 

Eine Übung. Das Video (Spieldauer 02:27 Minuten) zeigt eine einfache Übung. Die Erklärungen sind zwar in Englisch, es wird aber trotzdem deutlich, was gemeint ist. Ein Tanzschritt, der auch eine Kampfanwendung hat.: C a p o e i r a, Basic Steps, Ginga – Videoclip ansehen auf Youtube

 

Kampfkunst Fähigkeiten. Im Video (Spieldauer 03:56 Minuten) sind Eindrücke von Kampfübungen zu sehen. Es zeigt, was akrobatisch so alles möglich ist.: C a p o e i r a Mix (This is the Brazilian Martial Art) – Videoclip ansehen auf Youtube

 

Kampfanwendungen. Capoeira bewährt sich zudem auch im Kampf. Im Video (Spieldauer 02:40 Minuten) sind einige K- Schläge zu sehen.: C a p o e i r a Knockouts in MMA – Videoclip ansehen auf Youtube

 

Capoeira Links

C a p o e i r a – beim freien Lexikon Wikipedia – von der Geschichte über die Verbreitung bis zu den Bewegungen.

 

 

Capoeira lernen – Buch: Die wichtigsten Techniken werden beschrieben. Genau erklärt in Anleitungen dann Schritt für Schritt. Mit vielen Bildern.: C a p o e i r a. Traditionen, Techniken und Grundlagen des brasilianischen Kampftanzes. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Kampfsportler rubbeln Beschwerden einfach weg – Buchtipp: Der Sekundensieg durch gezieltes Schlagen auf Vitalpunkte ist das Markenzeichen der Kampfkunst Kyusho Jitsu. Diese Punkte können aber auch für eine schnelle Erste Hilfe noch auf der Matte genutzt werden. Das kann helfen bei Zerrungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und anderem.: Vitale Punkte - Erste Hilfe. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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