Jiu Jitsu – die waffenlose Selbstverteidigung der Samurai

Wie kämpft ein Samurai, wenn er keine Waffe zur Hand hat? Er verteidigt sich mit seiner leeren Hand. Die Techniken dafür hat er mit Jiu Jitsu gelernt.

Jiu Jitsu gehörte genauso zur Samuraiausbildung wie der Umgang mit Waffen.

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Die Techniken in der Kampfkunst der Samurai sind vielseitig und wurden gegenüber Außenstehenden geheim gehalten. Heute sind diese Techniken für Jedermann frei zugänglich.

Jiu Jitsu und seine Geschichte

Die Wurzeln für diese Kampfkunst werden in China vermutet. Es gibt Legenden von Chinesen, die es nach Japan verschlug und die mit ihren Kampfkunstfähigkeiten auffielen. Sie wurden als Samurai aufgenommen und gaben ihr Wissen weiter. Andere Quellen berichten einfach vom Kulturaustausch durch Händler und Mönche, zu dem auch der Austausch von Kampftechniken zählte.

Die Ursprungslegende berichtet von einem japanischen Arzt, der nach einer Kampfkunst suchte, für die keine große Körperkraft nötig wäre. An einem Wintertag beobachtete er die Auswirkungen eines starken Schneefalls. Ein starrer Kirschbaum zerbrach unter der Last des Schnees. Eine biegsame Weide gab der Last nach und blieb so unbeschädigt. Diesen „Geist der Weide“ wurde das Vorbild für die neue Kampfkunst. Daher auch die Bezeichnung von Jiu Jitsu als „Die nachgebende Kunst“. Der Angriffsenergie ausweichen und dann die Schwachpunkte des Gegners treffen.

Man könnte Jiu Jitsu auch bezeichnen als „Die neugierige Kampfkunst“. Dieses Kampfsystem ist bis heute offen geblieben für neue Einflüsse und wird immer weiterentwickelt.

Im Lauf der Zeit entstanden immer mehr Jiu Jitsu Schulen. Es bildeten sich immer neue Stilrichtungen. Je nach Schule wurden bestimmte Techniken bevorzugt. Es war ein eigenes Kampfkunst-Universum.

Der Niedergang der Samurai machte auch ihrer Kampfkunst zu schaffen. Es wurde nach vorn geblickt, in die neue Zeit. Der westliche Einfluss wurde immer größer. Waffenlose Selbstverteidigung verlor ihre Bedeutung.

Die Rückbesinnung auf die Traditionen Ende des 19. Jahrhunderts und die Umwandlung der japanischen Kampfkünste in zeitgemäße Kampfsportarten brachten auch Jiu Jitsu eine Wiedergeburt. Auch der pädagogische Wert der Kampfsportarten wurde immer mehr geschätzt.

So wurde die Kampfkunst der Samurai populärer denn je. Zunächst übten es viele Japaner aus allen Teilen der Bevölkerung. Dann trat es im Laufe des 20. Jahrhunderts seinen Siegeszug um die Welt an.

Populär wurde es auch, weil viele Sicherheitskräfte begannen, diese Techniken zu lernen und es bis heute tun. Denn diese Kampftechniken hatten wichtige Vorteile. Sie waren wirkungsvoll, fügten aber einem Angreifer keinen unnötigen Schaden zu. Ein Angreifer konnte kampfunfähig gemacht werden, ohne ihn dabei schwer zu verletzen. Jiu Jitsu bekam den Beinamen „Gentleman Art“, weil man sich beim Kämpfen fühlen konnte wie ein Gentleman.

Beliebt bei den Sicherheitskräften ist auch, dass Jiu Jitsu dieses offene System ist, in das neue Techniken aufgenommen werden können. Wie in einem Baukasten können Techniken nach Bedarf zusammengestellt werden. So können beispielsweise die Techniken danach ausgesucht werden, ob sie den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Mit den Festhaltetechniken kann eine Person ruhig gestellt werden, so dass keine Gefahr mehr von ihr ausgeht.

 

Im Video (Spieldauer 13:44 Minuten) ist eine Vorführung in einer Turnhalle zu sehen. Diese Vorführung gibt einen guten Einblick in ein Training.

 

Jiu Jitsu als Quelle für viele andere Kampfkünste

Jiu Jitsu ist möglicherweise die einflussreichste Kampfkunst der Welt. Sie ist die Mutter oder der Vater für einige andere Kampfkünste und Kampfsportarten. Der Grund dafür liegt in den vielen unterschiedlichen Techniken, die alle zu Jiu Jitsu gehören.

* Karate
Die Techniken von ein paar Stilen gehen auf Jiu Jitsu zurück, besonders die Tritte und Schlagtechniken.

* Aikido
Der Aikido Begründer Morihei Ueshiba kam ursprünglich vom Jiu Jitsu. Er übernahm vor allem das Aufnehmen und Weitergeben der Angriffsenergie.

* Judo
Auch der Vater des Judo, Jigoro Kano, kam vom Jiu Jitsu. Er übernahm vor allem die Fallschule, die Würfe und die Hebel.

* Taekwondo
Wurde angeregt von den Tritt- und Schlagtechniken.

* Hapkido
Der Koreaner Choi Yong-Sul entwickelte diesen Kampfsport aus einen Mix aus Jiu Jitsu und Tae Kwon Do.

* Brazilian Jiu Jitsu
Dieser Kampfsport legt seinen Schwerpunkt auf den Bodenkampf. Bedient sich aber bei den alten Techniken.

* Krav Maga
Diese moderne Selbstverteidigung bedient sich aus Kampftechniken aus der ganzen Welt. Von Jiu Jitsu ist auch einiges dabei.

* Ju Jutsu
Eine moderne deutsche Variante dieser alten japanischen Selbstverteidigung. Ju Jutsu wurde zusammengestellt aus Techniken unterschiedlichster Kampfsportarten, die Basis bleiben aber die Techniken von Jiu Jitsu. Allerdings ist Ju Jutsu selbst zu einem geschlossenen System geworden, ganz im Gegensatz zu seinem Vorbild.

 

Das Video (Spieldauer 04:34 Minuten) gibt einen Einblick in eine Dan-Prüfung. Was so alles abverlangt wird.

 

Jiu Jitsu und seine Techniken

Jiu Jitsu ist eine waffenlose Selbstverteidigung gegen die unterschiedlichsten Angriffe; mit der Hand, dem Fuß oder einer Waffen, aus der Nähe oder der Distanz, im Stand oder am Boden. Auch die Befreiung aus Festhaltetechniken gehört dazu.

Ziel ist dabei, mit Geschicklichkeit gegen rohe Gewalt zu siegen. Auf eine große Kraft nicht mit einer großen Kraft antworten.

Die Grundlage dafür ist die Nachgiebigkeit. Die Angriffsenergie des Gegners ins Leere laufen lassen. Im besten Fall wird die Angriffsenergie des Gegners dann gegen ihn selbst verwendet.

So können auch stärkere Angreifer besiegt werden.

Ziel ist die Verhältnismäßigkeit von Verteidigung und Angriff. Es geht nicht darum, einen Angreifer krankenhausreif zu schlagen. Darum gibt es auch viele Techniken, mit denen ein Gegner kontrolliert werden kann.

Je nach Stil ist der Schwerpunkt der Techniken unterschiedlich.

 

Eine Auswahl der Techniken

* Konditionstraining
Wer Jiu Jitsu lernen will, der muss dafür kein Hochleistungssportler werden. Fitness, Kraft und Flexibilität werden aber schon trainiert.

* Fallschule
Wer verletzungsfrei üben und kämpfen möchte, dessen Körper sollte wissen, wie er im Ernstfall am besten fällt.

* Schläge, Tritte und Stöße
Gerade hier haben sich viele andere Kampfkünste bedient. Die Palette reicht von dosierten Schlägen bis zu durchaus auch aggressiven Techniken.

* Schlagtechniken auf die Vitalpunkte
Wegen dieser Techniken gibt es auch die Theorie, dass das ursprüngliche Jiu Jitsu eigentlich aus Indien kommt. Eigentlich hätten sich die Jiu Jitsu Kampftechniken aus einer indischen Massagekunst heraus entwickelt. Die Kenntnis der empfindlichen Punkte des Menschen sei dann mit entsprechenden Schlagtechniken kombiniert worden.
Mehr zu diesem Thema auf der Seite: Kyusho Jitsu – gezielte Fingerstöße auf die Vitalpunkte

* Würfe
Die Wurftechniken lieferten die Ursprungsidee für den Kampfsport Judo.

* Hebel
Einen Angreifer mit seinem eigenen Körper fesseln. Mit einem Hebel am Boden halten oder ihn wegführen. Auf diese Art einen Kampf friedlich beenden..

* Befreiungstechniken
Wenn ich selbst von einem Angreifer festgehalten oder sogar gewürgt werde. Wie kann ich mich daraus befreien?

 

Weitere Informationen zum Kampfsport Jiu Jitsu – beim freien Lexikon Wikipedia

Informationen zu Lehrern und Schulen in Deutschland bei den Fachverbänden Deutsche Jiu -Jitsu Union e.V. und Deutscher Jiu Jitsu Bund

 

Was bedeutet der Name „Jiu Jitsu“

Der Name „Jiu Jitsu“ ist ein moderner Begriff. Es ist ein Sammelbegriff. So viele Schulen es früher gab, so viele unterschiedliche Namen gab es auch. Bis sie alle unter diesem Begriff zusammengeführt wurden.

Jiu = sanft, nachgiebig, flexibel

Jitsu = Kunst, Kampfkunst

Der Name wird häufig übersetzt mit: „Die sanfte Kunst“, „Die Kunst des Ausweichens“.

 

Jiu Jitsu Übungen – Buch: Wie ist diese Kampfkunst entstanden? Mit welchen Techniken wird gekämpft? Was ist die Idee hinter den Übungen?: Jiu-Jitsu: Geschichte und Begriffe. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Im Straßenkampf überleben – Buch: Das Wissen, das man nicht im Dojo lernt. Rechtzeitig erkennen, wenn jemand einen unerwartet angreifen will. Wie reagieren, wenn jemand einem böse Blicke zuwirft? Tricks und Geschichten.: Billige Tricks, Hinterhalte und andere Lektionen: Ein grundlegendes Handbuch über die Selbstverteidigung und das Überleben. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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