Kendo – mit dem Schwert kämpfen wie ein Samurai

Kendo ist ein japanischer Schwertkampf, der mit den Techniken der Samurai geführt wird. In diesem Sport leben die alten Kampftechniken und ihre Kultur weiter. Die Faszination Zweikampf mit dem Schwert kann gefahrlos ausgelebt werden.

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In Japan ist Kendo ein Breitensport. Millionen Japaner betreiben aktiv diesen Kampfsport, vom Schulkind bis ins hohe Alter, Frauen genauso wie Männer.

Die Kendo Techniken erhöhen die Schnelligkeit durch ein Training der Reflexe und der Intuition. Schwachstellen ohne zu zögern ausnutzen. Der Absicht des Gegners zuvorkommen. Besonders mit dem „Sehen“ der Absichten des Gegners können die älteren Kendoka eine geringere Kondition ausgleichen.

Die Schwerter im Kendo sind aus Bambus und aus Holz

Wer mit Kendo anfängt, der braucht nur eine Jogging-Hose und ein T-Shirt. Dann beginnt er, barfuß und mit einem flexiblen Bambus-Schwert in der Hand, mit den ersten Übungen.

Das Bambus-Schwert wird genannt Shinai und wurde vor 250 Jahren als Sportgerät entwickelt, um ein verletzungsfreies Üben möglich zu machen.

Da in den Grundlagenübungen nur in die Luft geschlagen wird, braucht es keine weitere Ausrüstung. In den Grundlagenübungen werden Stellungen geübt, Schritte und Schlagtechniken.

Bald kommt noch ein zweites Schwert hinzu: das Bokuto, außerhalb Japans auch genannt Bokken.

Das Bokuto ist ein Holzschwert, das in der Kata zum Einsatz kommt. In der Kata werden die Techniken eingeübt, die später im Wettkampf Anwendung finden. Es sind Partnerübungen. Alle Bewegungen sind vorgegeben und simulieren einen Kampf. Die Schläge werden im letzten Moment angehalten, darum wird auch keine Schutzausrüstung getragen. Es gibt mehrere Kata für die verschiedenen Techniken. Es gibt Kata für Langschwert und für Kurzschwert.

Shinai wie Bokuto sind Nachbildungen des Katana, des legendären Schwertes der Samurai.

Die eigentliche Kendo Praxis folgt in den Wettkämpfen. Dort können sich die Kämpfer miteinander messen.

 

Das Üben der Kata. Im Video (Spieldauer 08:13 Minuten) sind die Übungen im ständigen Zweikampf zu sehen. Zwei Kämpferinnen zeigen eine Kata.

 

Kendo ist ein Wettkampf der Schwertkämpfer

Im Wettkampf (Shiai) wird auf vier erlaubte Trefferzonen geschlagen: Kopf, Kehle, Handgelenk und Oberkörper.

Damit im Kampf auch richtig zugeschlagen werden kann, werden diese vier Flächen geschützt. Das Men schützt Kopf und Kehle, die Kote schützt die Hände und Unterarme, der Do schützt den Oberkörper, das Tare schützt die Hüfte.

Alle zusammen ergeben die Kendo Rüstung (Bogu), die angelehnt ist an die alte Rüstung der Samurai.

Unter der Rüstung werden getragen Hakama (Hosenrock) und Gi (Baumwolljacke). Der Hosenrock reicht bis an die Fußknöchel und verbirgt damit die Stellung und die Bewegungen der Füße.

Ein wichtiger Bestandteil der Schläge ist der Kampfschrei (Kiai). Denn es reicht nicht, auf eine erlaubte Trefferzone zu schlagen. Während des Schlages muss auch der Name der Trefferzone gerufen werden (z. B.: Men!, Kote!, Do!). Um zu zeigen, dass man dorthin geschlagen hat, wohin man schlagen wollte. Sonst wird der Schlag nicht als Treffer gewertet.

Es reicht nicht, den Gegner zufällig irgendwo hin zu treffen. Der Kampfschrei soll die Einheit von Körper und Geist beweisen.

Der Sieger wird dann nach Punkten ermittelt. Um für einen Schlag einen Punkt zu bekommen, müssen noch weitere Bedingungen erfüllt werden. Dazu gehören der Abstand, die Technik, die Körperhaltung und einiges mehr.

 

Der Weg, das Ziel und die alten Tugenden

Der japanische Name Kendo ist eine Kombination der Worte Schwert (Ken) und Weg (Do) und wird meist übersetzt mit „Der Weg des Schwertes“.

Die Endung „Do“ ist auch in anderen japanischen Kampfkünsten zu finden (Iaido, Kyudo, Aikido) und deutet eine Verbindung zur Zen-Praxis an. Beim Kendo besteht auch noch die Verbindung zum Bushido (Bushi =Samurai), dem Weg des Kriegers, des ritterlichen Ideals im alten Japan.

Kendo wird gesehen als Kampfkunst, Kampfsport und als Lebenseinstellung. Der Charakter soll mit dem Schwert geschult werden.

Der Schwertweg wird auch an den japanischen Schulen unterrichtet und es sind viele Erwartungen mit dem Training verbunden. Neben der körperlichen Stärkung soll auch die soziale Entwicklung gefördert werden, die Selbständigkeit soll erhöht werden bei gleichzeitiger Würdigung der Tradition. Die Ideale des alten und des neuen Japan sollen sich vereinigen.

 

Kendo in Japan. Im Video (Spieldauer 09:30 Minuten) erklärt der schwedische Botschafter in Japan auf Englisch diesen Kampfsport. Er ist selbst ein begeisterter Kendoka. Zu sehen sind auch Eindrücke vom Training in Japan, von den Grundübungen bis zu den Übungskämpfen.

 

Wie ist Kendo entstanden

Kendo hat seine Ursprünge in den Schwerttechniken der alten Krieger. In der uralten Zeit, über die nur noch Mythen berichten.

Im 15. Jahrhundert entstand das Katana, das heute legendäre Schwert der Samurai, mit dem nur noch geschnitten wurde. Es wurde nicht mehr gefochten. Der Sieg sollte und musste mit einem Hieb errungen werden. Die Samurai begannen, ihren Schwertunterricht zu systematisieren. Kenjutsu entstand, die Kunst des Schwertes.

Das 17. Jahrhundert brachte neue Wandlungen. Mit dem Aufkommen der Schusswaffen verlor das Schwert seine Bedeutung und auch die alte Kriegerkaste. Das Schwert verlor zwar seine Bedeutung als Waffe, bekam aber seine neue Bedeutung zur Formung des Charakters. So überlebten auch die Tradtitionen der Samurai.

Im 19. Jahrhundert wandelte sich Kenjutsu langsam in Kendo. Das rasierklingenscharfe Kantana wurde abgelöst durch einen Bambusstock. Im Kenjutsu wurden noch Kampftechniken mit der bloßen Hand gelehrt, um sich auch verteidigen zu können, wenn das Schwert verloren ging. Kendo konzentrierte sich immer mehr auf die reinen Schwerttechniken. Aus der Kampfkunst Kenjutsu wurde der Kampfsport Kendo, in welcher der einzige Gegner, der besiegt werden soll, man selber ist.

1911 wurde Kendo in Japan erstmals als offizieller Schulsport eingeführt. Die Entwicklung zum Nationalsport begann. Nach dem 2. Weltkrieg begann der Siegeszug um die ganze Welt.

Hier weitere Informationen zum Thema: Kendo – beim freien Lexikon Wikipedia

Schulen, Meisterschaften, aktuelle Termine beim Deutschen Kendobund e.V.

 

Verwandte Stile

Zwei japanische Kampfsportarten sind mit dem Kendo verwandt. In beiden Stilen wird ebenfalls mit Bambus-Schwert und Holz-Schwert trainiert.

Im Iaido wird eine andere alte Technik mit dem Katana geübt. Das blitzschnelle Ziehen des Schwertes und Zuschlagen in einer einzigen Bewegung.

Die Schwerttechniken im Aikido lehren ebenfalls den Umgang mit dem Katana. Allerdings mit dem Ziel, die Anwendung der Handtechniken zu verbessern.

 

Standardwerk für Anfänger und Fortgeschrittene – Buch: Die grundlegenden Übungen bis zu den Techniken für Fortgeschrittene. Die Kata Partnerübungen. Die Verwendung der Ausrüstung und ihre Pflege. Die Herkunft und Entstehung dieser Schwertkunst.: Kendo: Lehrbuch des japanischen Schwertkampfes. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Im Straßenkampf überleben – Buch: Das Wissen, das man nicht im Dojo lernt. Rechtzeitig erkennen, wenn jemand einen unerwartet angreifen will. Wie reagieren, wenn jemand einem böse Blicke zuwirft? Tricks und Geschichten.: Billige Tricks, Hinterhalte und andere Lektionen: Ein grundlegendes Handbuch über die Selbstverteidigung und das Überleben. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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