Kickboxen – Stile zwischen brutalem Kampfsport und Fitness

Kickboxen hat einen schlechten Ruf. Es soll ein brutales Boxen sein, bei dem auch noch getreten wird. Es soll der Kampfsport von Straßenschlägern sein. Zumindest wird damit anerkannt, dass es ein effektiver Kampfsport ist.

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Dabei sind unter dem Namen Kickboxen ganz unterschiedliche Stile vereinigt. Es gibt nicht nur die harten Vollkontakt Kämpfe. Die Bandbreite reicht vom gezielten Treffen einzelner Punkte bis zu einem Fitness-Tanz.

Komplizierter wird es noch dadurch, dass es verschiedene Kickboxverbände gibt. Darum gibt es mehrere amtierende Weltmeister, Europameister usw. Es gibt auch keine hundertprozentige Einigkeit, welche Techniken und welche Angriffsziele verboten sind. Der Stil ist einfach noch zu jung. Der Begeisterung für diesen Kampfsport tut dies aber keinen Abbruch.

 

Welche Schläge und Tritte sind erlaubt. Im Video (Spieldauer 48 Sekunden) erklärt Christine Theiss die erlaubten Schläge und Tritte. Demonstriert werden die Techniken im Ring mit einem Partner.

 

Kickboxen entstand in Wettkämpfen

Welcher asiatischer Kampfsport ist der beste? Wie können Kampfsportarten mit ganz unterschiedlichen Konzepten und Techniken miteinander verglichen werden?

So etwas geht nur in Wettkämpfen. Für dieses Ziel wurden in den 1970er Jahren in den USA stilübergreifende Wettkampfregeln aufgestellt. Mit diesen Regeln sollten sich Kämpfer in Kung Fu, Karate, Taekwondo und anderen Stilen gleichberechtigt miteinander messen können.

Dieses einheitliche Regelwerk führte zu einer neuer Kampfsportart, in welcher die im Ring erfolgreichsten Techniken aus den verschiedenen Kampfsportarten aufgenommen wurden. Dieser neue Kampfsport wurde Sportkarate genannt oder auch All Style Karate. Es war ein reiner Wettkampfsport. Später wurde der neue Stil umbenannt in Kickboxen (Kickboxing).

Am Kickboxen fiel auf, dass die Techniken irgendwo zwischen klassischem Boxen und Thaiboxen zu liegen scheinen. Da Thaiboxen seine Wurzeln im chinesischen Kung Fu hat, ist diese Ansicht gar nicht so falsch.

Hier weitere Informationen zum Thema Kickboxen – ansehen beim freien Lexikon Wikipedia

 

Kickboxer und ihre „Rüstung“

Dass dieser Kampfsport im Ring keine harmlose Sportart ist bemerkt man spätestens, wenn man die Schutzausrüstung sieht. Da werden etliche Stellen am Körper gepolstert.

Zunächst sind da die Boxhandschuhe und Bandagen für die Gelenke der Hände und Finger.

Dann natürlich der Tiefschutz zwischen den Beinen und der Zahnschutz.

Der Tiefschutz ist schon ein Unterschied zum Boxen. Denn Boxer schlagen nicht so tief.

Die Kleidung erinnert an einen Boxer. Eine leichte, kurze Hose mit Beinfreiheit in alle Richtungen und eventuell noch ein T-Shirt.

Dann trägt der Kickboxer im Ring noch einen Kopfschutz, Schienbeinschutz und Fußschutz. Der Fußschutz ist eine Art Boxhandschuh für die Füße.

 

Kickboxen vereint unterschiedliche Wettkampfarten und Stile

Obwohl Kickboxen eine sehr junge Kampfsportart ist, kennt es bereits Unterstile . Das hat diesen Sport auch so populär gemacht. Vom Breitensport bis zum Leistungssport ist alles dabei. Von harten Kämpfen bis zu schweißtreibender Fitness.

* Vollkontakt (Full-Contact)
Zunächst ist da der harte Kampfsport. Ein richtiger Boxkampf im Ring, ausgeführt nach den Kickboxen Regeln. Der Gegner wird mit voller Kraft geschlagen. Der Sieg kommt mit einem K. O. oder nach Punkten. Der Ringrichter addiert die korrekten Treffer pro Runde.
Im Vollkontakt können ein gut gesetzter Schlag oder Tritt den Kampf siegreich beenden. Es siegen nicht unbedingt die besten Techniker sondern die Kämpfer mit den besten „Nehmereigenschaften“.

* Leichtkontakt (Low-Contact)
Im Leichtkontakt schlägt die Stunde der Techniker. Die Treffer dürfen nicht mit voller Wucht ausgeführt werden. Ein K. O. ist nicht möglich. Es zählen nur die Punkte. Es gilt, mehr Treffer zu erzielen als der Gegner. Gekämpft wird meist im Ring wie beim Vollkontakt.

* Pointfighting (Semikontakt)
Im Pointfighting ist jeder Treffer wie eine Runde. Nach jedem Treffer unterbricht der Ringrichter den Kampf. Er gibt seine Punktebewertung bekannt und dann geht es weiter. Auch hier darf nicht mit voller Kraft zugeschlagen werden, es geht um Kontrolle statt um ein K.O.
Beim Pointfighting entscheiden Schnelligkeit und Präzision. Oft wird es mit einem Fechtkampf verglichen. Es ist die Königsdisziplin der Techniker. Der Sieger wird nach Punkten ermittelt. Gekämpft wird häufig auf Matten und nicht im Ring.
Gerade im Pointfighting ist ein sportlicher Vergleich mit anderen Kampfsportarten möglich, was die Ursprungsidee von Kickboxen ist.

 

Point Fighting in Aktion. Im Video (Spieldauer 05:11 Minuten) werden Wettkämpfe im Point Fighting gezeigt. Es sind Impressionen von verschiedenen Wettkämpfen zu sehen. Der Ton ist unterlegt mit Musik.

 

* Musikformen
Die Musikformen sind getanzter Kampfsport. Es wird unterschieden zwischen harten und weichen Techniken mit und ohne Waffe.
Die Techniken aus dem Hardstyle ohne Waffen kommen aus Karate und Taekwondo; die Techniken aus dem Softstyle ohne Waffen kommen von Kung Fu und Wushu.
Die Techniken aus dem Hardstyle mit Waffen verwenden Kama, Sai, Tonfa, Bo und Katana; die Techniken aus dem Softstyle mit Waffen verwenden Wushu Langstab, Naginata, Tai Chi Chuan Schwert und Hakenschwert.
Eine Musikform ist eine frei gestaltete Kampfchoreographie begleitet von Musik.
Ringrichter bewerten die Ausführung der Techniken nach Punkten.

* Fitness Kickboxen
Wer sich für Kampfsport nicht interessiert aber den Fitnesswert der Kickboxen Techniken schätzt, für den gibt es eine Alternative. Verletzungsfrei, ohne Kampf und mit wenig Zeitaufwand. Es werden auch keine Punkte vergeben. Für das Fitnessstudio wurden Kampfsporttechniken in ein Aerobic Training umgewandelt. So soll auch noch viel Fett verbrannt werden. Dazu gehören Systeme wie Thai Bo.

 

Techniken am Sandsack trainieren. Im Video (Spieldauer 03:41 Minuten) erklären zwei Kämpfer das Training am Sandsack. Es geht von einfachen Techniken bis zu schwierigen Übungen. Dabei werden Tipps gegeben. Beispielsweise dass Kicks so ausgeführt werden sollten, als würde der Übende über einen Zaun steigen.

 

Der Sandsack als Trainingspartner

Das Training im Kickboxen ist umfangreich und fordernd. Dazu gehören Übungen zum Aufwärmen, Budogymnastik und eine Haltungsschulung. Es folgt das Training der vielen Techniken, bei denen eigentlich immer ein Partner gebraucht wird.

Ein Partner steht aber nicht immer zur Verfügung. Außerdem wäre ein ständiger Partner ein Prügelknabe. Wer möchte das schon sein und wer möchte das anderen antun.

Darum wurde das Techniktraining am Sandsack entwickelt. Die Idee dafür stammt vom Boxen, allerdings wird beim Kickboxen auf den Sandsack auch eingetreten.

So können neue Techniken und Kombinationen immer und immer wieder trainiert werden, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Darüber hinaus ist der Sandsack der letzte Partner vor dem Übungskampf (Sparring) und gut geeignet für ein Rundentraining.

Die Rundenzeit an der Uhr einstellen und dann eine Runde nach der anderen durchhalten. So können Ausdauer und Schlagkraft verbessert werden.

 

Techniken für Einsteiger – Buch: Anleitungen in Bild und Text für die Techniken. Wie stelle ich mir ein Solotraining zusammen? Geschichte, Ausrüstung und Regeln.: Kickboxen basics: Mit Weltmeister Martin Albers. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Im Straßenkampf überleben – Buch: Das Wissen, das man nicht im Dojo lernt. Rechtzeitig erkennen, wenn jemand einen unerwartet angreifen will. Wie reagieren, wenn jemand einem böse Blicke zuwirft? Tricks und Geschichten.: Billige Tricks, Hinterhalte und andere Lektionen: Ein grundlegendes Handbuch über die Selbstverteidigung und das Überleben. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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