Mit dem Spannen des Bogens entspannt der Geist: Kyudo

Kyudo scheint aus der Zeit gefallen. Da schießen Japaner Bambuspfeile mit einem Bambusbogen ab. Dabei haben sie den Erfindergeist und die Möglichkeit, sich einen High-Tech Bogen zu bauen, der Superpfeile abschießt. Sie könnten ihre Vorfahren weit übertrumpfen. Stattdessen machen sie lieber: Kyudo.

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Wer Kyudo betrachtet, der betrachtet Japans Weg in die Moderne. Den Fortschritt anpacken und gleichzeitig die Seele erhalten. In Bayern spricht man von „Laptop und Lederhose“. In Japan könnte man sagen „Roboter und Samurai“.

Die Feuerwaffen konnten den Bogen vom Schlachtfeld verdrängen. Zur Ausbildung der Samurai gehörte er immer noch. Die Bogenkunst entwickelte sich mit Zen Techniken sogar noch weiter.

Zen wandelte eine Kampfkunst in eine Lebenskunst. Weit über die Kriegerkaste hinaus fanden und finden sich Anhänger.

In diesem Kampfsport schieße ich auf eine Zielscheibe. Aber die Zielscheibe zu treffen ist nicht das eigentliche Ziel. Das Ziel ist die innere Entwicklung des Übenden.

 

Die Geschichte

Das Bogenschießen gehörte zu den Waffentechniken der Samurai.

Unter dem Einfluss von Shintoismus und Zen-Buddhismus legte man dann eine tiefere Bedeutung in das Bogenschießen. Aus China kam zudem der konfuzianische Glaube, dass ein Mensch beim Bogenschießen seinen wahren Charakter offenbart.

So entstand neben dem Einsatz des Bogens durch die Krieger ein zeremonielles Bogenschießen, das der Hofadel praktizierte.

Das Aufkommen der Schusswaffen brachte eine Wende. Auf dem Schlachtfeld war der Bogen nicht mehr zu gebrauchen. Der Bogen wurde nur noch als Sportgerät oder für höfische Zeremonien verwendet. Aus „Kyu-Jitsu“ (Kyu = Bogen, Jitsu = Kunstfertigkeit) wurde „Kyu-Do“ (Kyu = Bogen, Do = Weg). Im Kyudo entwickelten sich unterschiedliche Schulen (Ryu) und Stile.

Besonders in Japan ist Kyudo nicht immer ein Zen-Bogenschießen. In der Welt außerhalb Japans sind aber genau die Stile beliebt, die sich mit der Zen Praxis verbunden haben.

 

Andere Namen für Kyudo

Kyu-Do (Kyu = Bogen, Do = Weg), Japanisches Bogenschießen (Kiudo, Kyudho), Japanische Bogenkunst, Weg des Bogens

 

Kyudo als Zen Meditation

Kyudo ist heute der Bogen-Weg im Zen. Es ist daher eine Praxis, zu sich selbst zu finden.

Zunächst beruhigt sich der Geist. Ruhige Rituale verdrängen die Unruhe des Alltags.

Dann wird der Geist leer gemacht. Die Aufmerksamkeit richtet sich so konzentriert auf das Ziel, dass kein Platz mehr ist für andere Gedanken. Aufwühlende Gefühle verschwinden, egal ob sie negativ sind oder positiv.

All dies erreiche ich, durch sich immer wiederholende Bewegungsabläufe. Kopf und Körper lernen, sich in einer großen Anstrengung tief zu entspannen. Die Fähigkeiten verfeinern sich durch Wiederholung immer mehr. Langsam aber sicher. Darum ist in der Bogenkunst Kyudo auch nicht das Treffen das Ziel, sondern die Verbesserung der Fähigkeiten.

Es ist eine langsame Selbsterziehung, die auf das gesamte Leben übergeht. Deshalb ist Kyudo auch nicht beendet, wenn der Bogen weggelegt wurde. Unbewusst verbessert der Übende sich dabei selbst, wenn er seine Schießtechnik verbessert.

Die innere Ruhe, die Aufmerksamkeit und Konzentration gehen auf den Alltag über, auch bei großem Stress oder in einem Konflikt.

Das ganz große Ziel ist es, das wahre Ich hervortreten zu lassen. Der Geist hat sich ein Bild geschaffen, von der Welt, die ihn umgibt. Zu sich selbst kann er finden, wenn er aus dieser Welt heraus tritt. Darum wird Kyudo auch als Zen im Stehen bezeichnet.

Der Mensch erblickt sein Spiegelbild nicht im fließenden Gewässer. Kyudo-Weisheit

 

Eindrücke vom Kyudotraining. Das Video (Dauer 04:26 Minuten) gibt im Folgenden Endrücke von einem Training. Ort ist das Kyudojo in Kiel.

 

Die Übungspraxis im Kyudo

Das Üben im Kyudo besteht in der ständigen Wiederholung des immer gleichen Bewegungsablaufes.

Dieser Bewegungsablauf ist unterteilt in acht festgelegte Bewegungsphasen. Körperhaltung und Körperspannung sollen sich dabei ausgleichen. Zur Intensivierung führe ich zudem alle Bewegungen langsam aus.

Das Ziel der Übung ist es zunächst, diese Bewegungsabläufe zu lernen, bis sie schließlich in Fleisch und Blut übergegangen sind. Dann werden die Bewegungsabläufe immer mehr verfeinert.

Aus diesem Grund wird beim Üben auf ein Reisstrohbündel geschossen, welches nur 2–3 m entfernt steht. Der Ehrgeiz, das Ziel zu treffen, soll nicht das eigentliche Üben behindern.

 

Intuitiv Bogen schießen ist wie Steine werfen. Das Video (Dauer 05:58 Minuten) zeigt im Folgenden die Technik, nicht zu zielen sondern zu deuten. Ich trainiere den Ablauf der Bewegungen immer wieder, bis ich das Ziel intuitiv treffen kann. Genauso lerne ich auch Techniken gelernt wie Steine werfen oder Golf spielen.

 

Die Ausrüstung

Yumi ist der japanische Bogen, der auch beim Kyudo verwendet wird. Mit einer Länge von mindestens 2,20 Meter gilt er auch als längster Sportbogen der Welt.

Er ist vermutlich deshalb so lang, weil er aus Bambus gefertigt ist. Das ist wohl auch der Grund für seine asymmetrischen Form. So ist dann das Material besser belastbar.

Abgeschossen werden Bambuspfeile.

Zu Pfeil und Bogen kommen traditionell noch Kleidung und Ausrüstung: Erstens Hakama (schwarzer Hosenrock), zweitens Gi (Hemd) und drittens Handschuh (zum verletzungsfreien Spannen der Sehne).

 

Wettkämpfe

Wenn sonst die Zen Praxis kein Wettkampf ist, im Kyudo werden Sieger ermittelt.

Mit Wettkämpfen und Graduierungen wird das erreichte Niveau ermittelt. Ein objektives Kriterium dafür ist dabei das „Treffen durch eine korrekte Schießtechnik“.

Auch in Deutschland ist Kyudo ein Wettkampfsport.

Regionale Wettkämpfe veranstalten Landesverbände in mehreren Bundesländern.

Die nationalen Kyudomeisterschaften richtet dann der Deutsche Kyudobund (DKyuB) aus.

 

Kyudo Verbände und Schulen

D-53179 Bonn * Deutscher Kyudo Bund e.V. (DKyuB) * Schulen in Deutschland mit Adressen: k y u d o . d e

A-2326 Maria Lanzendorf * Österreichischer Kyudoverband * Pfeil und Bogen als Kampfkunst und Zen: k y u d o v e r b a n d . a t

CH-4053 Basel * Schweizerischer Kyudoverband SKV * japanische Bogen-Kunst: k y u d o . c h

 

D-13187 Berlin * SG Bergmann-Borsig * Abteilung Bogenschießen: www.kyudo-berlin-pankow.de

D-24106 Kiel * Kyudojo Kiel e.V.: www.kyudojo-kiel.de

D-40699 Erkrath * Kyudoverein Neandertal * Kyudotraining in Düsseldorf, Erkrath, Hilden, Köln und Wuppertal: http://de.kyudo-neandertal.de/

D-70186 Stuttgart * Kyudojo Stuttgart e.V. * Kyudo: www.kyudojo-stuttgart.de

D-70186 Stuttgart * Kyudoverband Baden-Württemberg e.V. * Mitglied im Deutschen Kyudobund e.V.: www.kyuvbw.de

 

Kyudo Standardwerk – Buch: Wie ist dieser Kampfsport entstanden? Welche Ausrüstung braucht es dazu? Wie sieht die Schießtechnik aus und was sind die Trainingsmethoden?: K y u d o : Die Kunst des japanischen Bogenschießens. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Welche Notwehr-Waffen sind erlaubt? - Buch: Was freie Waffen sind. Wann man sie erst einsetzen darf. Warum selbst Schutzausrüstung verboten ist.: Ratgeber Freie Waffen: Schlagwaffen | Hieb- und Stichwaffen | Wurf- und Schleuderwaffen | Bogenwaffen | Schusswaffen | Reizstoffwaffen | Elektroimpulswaffen uvm. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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