Shotokan Karate – der sportliche Stil ohne Verletzungen

Mit Shotokan Karate trainiere ich dem „leerer Geist“. Alle ablenkenden Einflüsse blende ich aus. So kann ich dann spontan auf jede Situation reagieren. Es gibt keinen Verlust an Zeit durch eine Schrecksekunde.

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Shotokan Karate trainiert die Reflexe durch ein Techniktraining, das in Fleisch und Blut übergeht. In diesem waffenlosen Kampfsport übe ich den perfekten Schlag. Mit dem ich dann alles entscheiden kann.

Shotokan Karate ist heute der auf der Welt verbreitetste Karate-Stil.

 

Karate will den sofortigen Sieg

Der Karateka hat ein großes Ziel, seinen Gegner mit einem einzigen Schlag kampfunfähig zu machen. Wenn früher ein unbewaffneter Bauer von einen gerüsteten Krieger angegriffen wurde, dann hatte er nicht viele Möglichkeiten sich zu verteidigen. Er musste den Punkt finden, an dem sein Gegner gerade am verletzlichsten war, und er musste diesen Punkt treffen. Er musste seine ganze Kraft auf diesen einen Punkt konzentrieren können, schnell und zielsicher.

Heute werden die Schläge im Wettkampf kurz vor dem Ziel gestoppt und der Kampfrichter entscheidet, wie erfolgreich der Treffer war.

In der Verteidigung geht es darum, genau einen solchen Schlag zu verhindern. Um möglichst effektiv zu sein, sind die Techniken im Shotokan Karate so konzipiert, dass sie sich für Angriff und Abwehr gleichermaßen eignen. Eine Abwehr kann direkt in einen Angriff übergehen und umgekehrt.

 

Mit Shotokan Karate entstand eine neue Kampfsportart

Gichin Funakoshi (1868–1957) entwickelte im 19. Jahrhundert das moderne Karate, das unter dem Namen „Shotokan Karate“ bekannt wurde.

Auf der Insel Okinawa betrieb man seit Jahrhunderten eine Kampfkunst, die dort als „China Hand“ bekannt war. Durch regen Handel kamen Kampftechniken aus China nach Okinawa. Die einheimische Bevölkerung entwickelte daraus schließlich einen neuen Kampfstil. Dieser Kampfstil hatte sich von seinen chinesischen Wurzeln emanzipiert. Er hatte aber auch nichts zu tun mit den japanischen Kampfstilen. Es war eine eigenständige Kampfkunst der unteren Schichten.

Die Kampftechniken waren sehr wirkungsvoll, das Training waren aber in viele Stile zersplittert.

Gichin Funakoshi wollte diese Kampfkunst einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Dafür sammelte er die Techniken, vereinheitlichte sie und strukturierte das Training. Er wollte einen Sport für alle daraus machen. Um Karate populärer zu machen, wurde auch 1949 in Tokio die Japan Karate Association (JKA) gegründet

Das führte zu deutlichen Veränderungen. Der neue Kampfsport bekam den Namen „Karate Do“, was ihn zu einem offiziellen japanischen Kampfsport machte, der auch von der Regierung gefördert wurde. Um publikumswirksamer zu werden, wurden Wettkämpfe eingeführt, was es vorher im Karate nicht gab, aber in den anderen japanischen Kampfsportarten.

Da die Karatetechniken gefährlich sind, mussten sich die Verantwortlichen für die Wettkämpfe etwas einfallen lassen. Eine Schutzausrüstung für den Wettkampf wurde verworfen, da diese die Bewegungsfreiheit zu sehr einengen würde. So kam man auf die Idee, die Angriffstechniken vor der Trefferwirkung zu stoppen. Es kommt nie zu einem echten Treffer.

 

Das Video (Dauer 01:55 Minuten) zeigt im Folgenden eine Kata aus dem Shotokan Karate. Es ist sind dabei Karate Techniken aus Training der Grundlagen.

 

Die Kata – das eigentliche Karate Training

Eine Kata ist eine Soloübung. Es ist der Kampf gegen einen imaginären Gegner. Dabei wird eine Reihe festgelegter Abwehr- und Angriffstechniken ausgeführt. Es gibt nicht nur eine Kata, es gibt dutzende, jede mit einer anderen Zielsetzung.

Vor dem modernen Karate trainierten die Kämpfer auf Okinawa eine Kata immer und immer wieder. Bis die Techniken in Fleisch und Blut übergegangen waren. Die Meister der Vergangenheit haben auf diese Art ihre Erfahrungen weitergegeben. Jede Kata ist gleichzeitig ein Lexikon von erprobten Techniken als auch ein Ideengeber.

Testen und steigern konnte man die Techniken dann am Makiwara. Das ist ein gepolsterter Schlagpfosten aus Holz. Auf das Makiwara kann man mit voller Kraft schlagen und treten.

Das war in den alten Zeiten das ganze Karate Training. Im Shotokan Karate ist die Kata immer noch ein wichtiger Teil des Trainings, sie ist sogar Prüfungsstoff. Kritiker des Modernen Karate sehen das aber kritisch. So übe man die Kata dann nur noch für Wettkampf und Prüfung.

Einer solchen Versportlichung wollte man entgegenwirken. Dafür erweiterte man im Shotokan Karate das Kata Training um die Bunkai Übungen mit einem Partner. Dabei analysiere und interpretiere ich einzelne Bewegungen aus der Kata auf ihre Möglichkeiten der Anwendung. So will man auch das Verständnis für die Kata vertiefen

 

Das Video (Dauer 04:38 Minuten) zeigt im Folgenden Kihon Übungen. Es sind Grundübungen im Karate. Der Lehrer erklärt. Die Schülerin führt vor.

 

Kihon – die Grundschule im Shotokan Karate

Mit der Entwicklung von einer Kampfkunst zu einem Kampfsport wurden in einer Klasse viel mehr Schüler unterrichtet als je zuvor. Dazu zählten durchaus auch ganze Schulklassen. Die grundlegenden Techniken zerlegte man dann noch einmal in einzelne Übungen. Um somit den Fortschritt der Schüler besser kontrollieren zu können.

Als Unterstützung für das Kata Training schuf man Übungen geschaffen für einzelne Grundstellungen, Techniken des Schlagens, der Abwehr und auch der Tritte. So kann man gezielt einzelne Techniken und Kombinationen trainieren, ohne dass ich dafür jedes mal die ganze Kata laufen muss. Für einzelne Übungen kann ich unterschiedlich viele Wiederholungen praktizieren. So kann ich eine gute Beherrschung des Körpers systematisch aufbauen.

Im Shotokan Karate ist Kihon heute für Anfänger die erste Form des Trainings. Die Grundtechniken legen die Basis. Erst wenn hier Fortschritte sichtbar sind, beginnt dann das Erlernen der Kata.

 

Das Video (Dauer 13:54 Minuten) zeigt im Folgenden ein Kumite Training. Es sind Bilder aus einem Seminar in Russland. Zwei Kämpfer sind bei ihrer Vorführung umringt von Schülern. Darunter auch viele Kinder.

 

Kumite – der Zweikampf im Shotokan Karate

Im sportlichen Shotokan Karate wurde der Wettkampf eingeführt, der bis dahin im Karate unbekannt war. Den Wettkampf trainiert man in den Kumite Übungen.

Im Kumite wendet man die Techniken an, die man in der Kata gelernt hat. Auch die Kumite Formen sind systematisch aufgebaut. Es gibt einfache, festgelegte Formen wie den Fünfschrittkampf für Anfänger. Die kann man dann immer mehr steigern. Das kann bis zum Freikampf gehen.

Die Kumite Übungen schulen Dinge wie Distanz, Timing und auch Kontrolle.

Viele Karateka üben ihren Sport auch aus, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Ein besonderes Level der Übungen mit dem Partner ist das Zweikampf Training für eine effektive Selbstverteidigung auf der Straße. Diese Techniken kann man heute zudem auch in speziellen Lehrgängen lernen. Dabei kann man dann verschiedene Situationen der Selbstverteidigung probieren.

 

Der Name: Shotokan Karate Do

Ursprünglich trugen diese besonderen Techniken des Kampfes auf Okinawa Namen wie „China Hand“ oder „Tode Jitsu“. Erst mit der Entstehung des Modernen Stiles Shotokan Karate entstand dann auch der Name „Karate“.

 

Das Wort „Karate“ setzt sich zusammen aus den Worten „Kara“ und „Te“.

Kara = Leer

Te = Hand, Faust

Es wird meist übersetzt mit leere Hand oder auch leere Hände.

Wörtlich genommen bedeutet dies, dass ich ohne Waffen kämpfe. Mit nichts als meinen Händen. Im übertragenen Sinn bedeutet es, dass der Karateka seinen Geist frei macht von belastenden Gedanken und Gefühlen. Damit er immer angemessen handeln kann.

 

Das Wort „Do“ bedeutet „Weg“. Darum wird „Karate Do“ auch oft übersetzt mit „Der Weg der leeren Hand“. Das drückt den Einfluss des Zen Buddhismus auf diesen Kampfsport aus. Karate soll schließlich ein lebenslanger Weg sein. So soll sich auch die eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

 

Das Wort „Shotokan“ setzt sich zusammen aus den Worten „Sho“, „To“ und „Kan“.

Sho = Kiefer, Pinie

To = Welle, Woge

Kan = Großes Haus, Halle

Übersetzt wird es meist mit „Haus des Pinienrauschens“. Das war der Name des ersten Dojos von Meister Gichin Funakoshi in Tokio. Es wurde später dann auch zum Namen für das moderne Karate.

 

Dann gibt es noch den Begriff „Tigerstil“ für das Shotokan Karate. Das Wappen für Shotokan Karate ist ein goldener Tiger. Ein Tiger kann seinen Gegner mit einem Prankenhieb unschädlich machen.

 

Links

Hierzu weitere Informationen zum Thema S h o t o k a n Karate – beim freien Lexikon Wikipedia

 

Umfassendes Standardwerk – Buch: Die wichtigsten Techniken (Kihon, Kumite, Kata) mit ihren Anwendungen in Bild und Wort. Eine ausführliche Darstellung der Gürtelprüfungen. Ein Kapitel widmet sich der Geschichte des Karate.: S h o t o k a n Karate: Technik, Training, Prüfung. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Kampfsportler rubbeln Beschwerden einfach weg – Buchtipp: Der Sekundensieg durch gezieltes Schlagen auf Vitalpunkte ist das Markenzeichen der Kampfkunst Kyusho Jitsu. Diese Punkte können aber auch für eine schnelle Erste Hilfe noch auf der Matte genutzt werden. Das kann helfen bei Zerrungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und anderem.: Vitale Punkte - Erste Hilfe. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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