Wendo – Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Frauen

Wendo wurde Anfang der siebziger Jahre in Kanada von Lesben für Lesben entwickelt. Feministinnen übernahmen das Konzept einer Selbstverteidigung, die nur gedacht ist für Frauen und Mädchen, vermittelt nur von Trainerinnen.

.

Das Wendo System breitete sich aus, zuerst in die USA und dann in immer mehr Länder.

Was ist Wendo

Der Name „Wendo“ setzt sich zusammen aus den Wörtern „Wen“ und „Do“.

Für die Bedeutung dieser Wörter gibt es zwei Erklärungen.

 

Erklärung 1:

„Wen“ ist die Abkürzung für „Women“, das englische Wort für Frauen.

„Do“ ist das japanische Wort für „Weg“ und bezeichnet auch andere Kampfsportarten (AikiDo, KyuDo …).

„Wendo“ kann also übersetzt werden als „Weg der Frauen“.

 

Erklärung 2:

„Wendo“ ist die Kurzform von „Women do it“, übersetzt: „Frauen tun es“.

 

Wendo wird als eine ganzheitliche Methode propagiert, weil es eine Kombination ist aus Selbstverteidigung und Selbstbehauptung. Es ist viel mehr als nur ein Kampfsport.

Das Ziel von Wendo ist eine Steigerung der Lebensqualität durch eine Steigerung von Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit. Keine Angst mehr zu haben vor psychischer und physischer Gewalt. Sich nicht mehr sprachlos und hilflos fühlen. Keine Umwege mehr in Kauf zu nehmen, um angstbesetzten Orten aus dem Wege zu gehen. Keine Angst mehr vor der Dunkelheit zu haben.

 

Im Video (Spieldauer 02:54 Minuten) erzählen Mädchen aus Berlin über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus einem Lehrgang.

 

Die Stufen der Gewalt im Wendo Konzept

Im Wendo Konzept wird der Begriff „Gewalt“ sehr weit gefaßt. Ausgehend von den unterschiedlichsten Angriffen, denen sich Frauen und Mädchen im Alltag ausgesetzt sehen.

Zu den täglichen Angriffen auf der Straße, im Beruf und auch in der Familie zählen:

– angemacht werden

– dumme Sprüche und anzügliche Witze

– angestarrt zu werden

– ein Gefühl der Hilflosigkeit bei Grenzüberschreitungen

– sich nicht zu trauen, Nein zu sagen und Grenzen zu setzen

– nicht ernst genommen werden

– Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz

– Belästigungen am Telefon, beim Chatten oder in den Sozialen Medien

– Gewalt in der Beziehung

– tätliche Angriffe

– Vergewaltigung

Wie aus der Liste zu sehen ist, hilft die eigentliche körperliche Selbstverteidigung bei diesen Angriffen nur in den wenigsten Fällen und nimmt dementprechend auch nur einen kleinen Platz im Wendo Konzept ein.

 

Im Video (Spieldauer 01:46 Minuten) sind Eindrücke von einem Training zu sehen.

 

Die Wendo Techniken

Das Ziel von Wendo ist die Selbstbehauptung, sich durchzusetzen. Je besser dies gelingt, umso seltener ist eine Selbstverteidigung nötig, wo die Frau sich körperlich wehren muss.

Mit welchen Techniken wird im Wendo gearbeitet?

– die Wahrnehmung trainieren
Wer Gefahren vorbeugen will, der muss rechtzeitig erkennen, wenn sie drohen aufzuziehen. Dazu gehört es, dem eigenen Gefühl zu vertrauen. Schon eingreifen und sich wehren, wenn sich eine Frau in einer Situation „nur“ unwohl fühlt.
Dazu gehört aber auch, Situationen angemessen einzuschätzen. Wie gefährlich wird es? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Wo sind die Grenzen?
Eine Frau ist an Körperkraft oft unterlegen, sie muss dies mit Aufmerksamkeit und Entschlossenheit ausgleichen. Um Gewaltsituationen verändern zu können, müssen sie frühzeitig erkannt werden.

– eine entschlossene Körpersprache üben
Die Körpersprache entscheidet schon im Vorfeld darüber, ob eine Frau als Opfer gesehen wird. Ein selbstsicheres Auftreten hält die meisten Belästiger ab. Ein solches Auftreten kann die Frau lernen.

– Atmung und Stimme trainieren
Ein wichtiger Teil der Selbstbehauptung ist die Stimme. Nein-Sagen, lauter zu werden, schreien. Die Möglichkeiten der eigenen Stimme besser kennenlernen und bewußt einsetzen.

– Solidaritätsübungen
Hilfe holen, andere Menschen um Hilfe bitten oder eine gegenseitige Unterstützung organisieren. Auch das will gelernt sein.

– Techniken der körperlichen Selbstverteidigung
Im Wendo Unterricht nimmt die reine Selbstverteidigung nur einen kleinen Platz ein. Manchmal ist eine körperliche Auseinandersetzung aber doch nicht mehr zu vermeiden. Die Wendo Techniken dafür sind leicht zu lernen. Kleine, schmutzige Tricks mit großer Wirkung. Ein paar Schläge und Tritte, Befreiungsgriffe und Bodentechniken. Sportlich muss Frau dafür nicht werden.

– Selbstverteidigungstechniken für Behinderte
Wendo ist ein „Kampfsport“, der auch Selbstverteidigung für Behinderte lehrt. Dabei werden so ziemlich alle Arten von Behinderungen abgedeckt, leider aber auch hier nur für Frauen.
Für sehbehinderte und blinde Frauen, mit körperlicher Behinderung oder mit Lernschwierigkeiten gibt es Wendo Techniken. Dabei werden der Rollstuhl, der Gehstock, die Gehhilfe und auch der Blindenstock als Waffe eingesetzt.

Hier zu einer WenDo Broschüre – im Pdf Format
Vom Hamburger Netzwerk „Mädchen und Frauen mit Behinderung“ in leichter Sprache geschrieben und mit vielen Zeichnungen, damit auch Menschen mit Lernschwierigkeiten an das Thema herangeführt werden können.

– Gespräche und Diskussionen
Der Austausch von Gewalterfahrungen, Ängsten aber auch Erfolgsgeschichten. Darüber reden, was jede in einer solchen Situation machen kann. Sachliche und juristische Informationen.

– Rollenspiele für verschiedene Situationen
Hier kann jede Teilnehmerin ihre Erfahrungen mit einbringen. Angstbesetzte Situationen werden durchgespielt. Konfliktbewältigung wird geübt. Neue Strategien für die Selbstbehauptung werden entwickelt und gleich ausprobiert.

– Bewegungsspiele
Gemeinsam mit den anderen die eigene Kraft erleben. Sportlichkeit ist dafür keine Voraussetzung.

– spezielle Kurse
Wendo Kurse können sich gezielt an ausgesuchte Gruppen wenden, nach Alter oder nach Beruf (Lehrerinnen, Krankenschwestern, Taxifahrerinnen).

Hier mehr Informationen zum Thema: Wendo – beim freien Lexikon Wikipedia

Hier mehr Informationen zu Wendo Kursen in Deutschland: Wendo.info

 

Vorausschauende Selbstverteidigung für Frauen – Buch: Selbstverteidigung beginnt im Kopf. Wie wird in typische Situationen am besten reagiert? Es werden praxistaugliche Strategien vermittelt statt komplizierter Techniken.: Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Im Straßenkampf überleben – Buch: Das Wissen, das man nicht im Dojo lernt. Rechtzeitig erkennen, wenn jemand einen unerwartet angreifen will. Wie reagieren, wenn jemand einem böse Blicke zuwirft? Tricks und Geschichten.: Billige Tricks, Hinterhalte und andere Lektionen: Ein grundlegendes Handbuch über die Selbstverteidigung und das Überleben. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Das könnte Sie auch noch interessieren:

* Kubotan – Selbstverteidigung mit einem Mini-Schlagstock

* Selbstverteidigung lernen – die besten Kampfsportarten

* Kampfsportarten Liste – sortiert nach dem Alphabet




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.