Xingyiquan – die Innere Kampfkunst zum austoben

Xingyiquan ist eine der großen Inneren Kampfkünste aus China. Das Üben dieser Kampfkunst ist sehr gesund, wie das Üben aller Inneren Kampfkünste. Für die Gesundheit wird Xingyiquan aber selten geübt.

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Xingyiquan kommt nicht so langsam und sanft daher, wie die anderen Inneren Kampfkünste. Die Techniken sind blitzschnell und durchschlagend, regelrecht brutal.

Die Unterschiede sieht auch ein unerfahrener Zuschauer sofort. Die Bewegungen sind direkt und zweckmäßig, nicht so ästhetisch und geheimnisvoll wie beispielsweise im Tai Chi Chuan.

Xingyiquan – die Innere Kampfkunst für dynamische Menschen

In China ist Xingyiquan bei den Kampfsportlern beliebt. Das kraftvolle Training zeigt schnell Resultate, während dies in den anderen inneren Kampfkünsten oft viele Jahre dauert.

Trotzdem wird die Energie für die schnellen und kraftvollen Bewegungen nicht aus den Muskeln geholt sondern aus der inneren Kraft, aus einer tiefen Entspannung heraus.

Mit Xingyiquan lernt der Schüler effektiv zu kämpfen, was in den anderen inneren Kampfkünsten nicht so selbstverständlich ist.

Wer mit Taekwondo oder Karate schon vertraut ist, der findet hier einen vertrauten Einstieg, obwohl es diesmal um innere Techniken geht. Die Bewegungen auf den langen Übungsbahnen sind dem Training von Karate und Taekwondo ähnlich.

Gerade jüngere Kampfsportler können sich beim Xingyiquan Training richtig austoben. Menschen mit viel Bewegungsdrang finden diese sportlichen inneren Bewegungen viel cooler. Es ist ein Feuerwerk an Schlägen und Tritten.

 

Im Video (Spieldauer 03:39 Minuten) laufen ein chinesischer Meister und sein deutscher Schüler eine Form. Mitten auf einem Fußgängerweg in Peking (Beijing).

 

Alles in einer Reihe (Line Power Training)

Xingyiquan wurde für das Militär entwickelt. Darum wird es auf einer geraden Linie geübt. Denn die Soldaten auf dem Schlachtfeld kämpfen auch nur mit ihrem Gegner direkt gegenüber. Links und recht stehen ihre Kameraden.

Der ganze Körper bewegt sich auf einer Linie. Fuß, Nase und Hand bewegen sich auf einer Linie.

Beim Laufen in den langen Bahnen werden einzelne Techniken wieder und wieder trainiert. So konnten die Soldaten auf ihren langen Märschen im Laufen nebenbei noch trainieren.

Xingyiquan sollte auf dem Schlachtfeld zum Einsatz kommen, wenn die Waffe verloren ging. Dann sollte der Soldat auch unbewaffnet in der Lage sein, einen Gegner nach dem anderen kampfunfähig zu machen.

Die Xingyiquan Technik wird oft so bezeichnet: „rennen durch hohes Gras”. Es gibt keinen Kampf mit den Gegnern. Es wird schlagend durch sie durchgerannt. Sie werden regelrecht niedergemäht. Es ist ein fortwährender Angriff.

Die Schritte sind so schnell, dass der Angriff überraschend kommt, obwohl der Angreifer zu sehen war. Blocktechniken zur Abwehr gegnerischer Angriffe gibt es nicht. Es gibt nur Techniken, die Deckung des Gegners blitzartig zu durchschlagen. Der Kampf ist beendet, bevor er überhaupt angefangen hat.

Aufgrund der hohen Verletzungsgefahr gibt es kaum Wettkämpfe.

 

Im Video (Spieldauer 07:07 Minuten) werden Schläge im Xingyiquan gezeigt. Angeblich sind es die zehn Top-Schläge. Jeder Schlag wird zuerst allein demonstriert und dann an einem Partner mit Schutzkissen angewendet. Jeweils werden zwei Ansichten gezeigt.

 

Wie wird Xingyiquan gelernt

 

Dreifache Stellung

Die erste Übung ist die Standmeditation.

Die in allen inneren Kampfkünsten bekannte Übungen der „Stehenden Säule“ (Zhan Zhuang) enthält im Xingyiquan ganz spezielle Positionen und wird „Santishi“ genannt.

„Santishi“ wird übersetzt als „Dreifache Stellung“ und beschreibt das Zusammenspiel der drei Abschnitte des Körpers: Kopf, Rumpf/Arme und Beine.

Mit Santishi beginnt der Prozess, eine innere Struktur aufzubauen und die innere Kraft zu entwickeln.

Am Anfang und am Ende jeder Xingyiquan Technik steht eine Santishistellung, die längere Zeit gehalten wird.

 

Die fünf Faustkampfformen

Die zweite Übung sind die 5 Faustkampfformen (wuxingquan), die sich an die Fünf Elemente (Wandlungsphasen) anlehnen.

Ursprünglich mussten nur diese 5 Faustkampfformen gelernt werden. Das ging schnell, da sie auf fünf kurzen Techniken basieren. Ein wirkungsvolles, schnell zu lernendes System für Soldaten halt.

Die fünf Techniken sind:

* Spaltende Faust „Pi Quan“ (Element Metall)

* Bohrende Faust „Zuan Quan“ (Element Wasser)

* Zerschmetternde Faust „Beng Quan“ (Element Holz)

* Hämmernde Faust „Pao Quan“ (Element Feuer)
Feuer ist Pao Quan (hämmernde Faust)

* Kreuzende Faust „Heng Quan“ (Element Erde)

Die fünf Faustkampfformen sind heute immer noch die Grundschule im Xingyiquan. Es sind aber noch die Tierformen hinzu gekommen.

 

Das Prinzip der Sechs Harmonien

Mit dem Prinzip der „Sechs Harmonien“ sollen Körper und Geist beim Üben zu einer Einheit verschmelzen und so die innere Kraft entstehen. Die äußere Form (Xing) verschmilzt mit der inneren Intention (Yi).

Die „Sechs Harmonien“ sind unterteilt in drei innere Harmonien und drei äußere Harmonien.

* Die drei inneren Harmonien sind:

– das Herz harmonisiert mit der Absicht

– die Absicht harmonisiert mit dem Qi

– das Qi harmonisiert mit der (physischen) Kraft

* Die drei äußeren Harmonien sind:

– die Hände harmonisieren mit den Füßen

– die Ellbogen harmonisieren mit den Knien

– die Schultern harmonisieren mit der Hüfte

 

Die Tierformen

Die fünf Fausttechniken werden erweitert um die zehn Tierformen, manchmal sind es auch zwölf Tierformen.

Die Tierformen sind je nach Stil benannt nach: Drache, Schlange, Eidechse, Bär, Affe, Tiger, Adler, Falke, Kranich, Schwalbe, Sperber, Hahn, Schildkröte, Krokodil, Pferd oder Wasserläufer.

Der Charakter und der Geist des jeweiligen Tieres soll in die Bewegungen einfließen.

Die Tierformen sind komplizierter und schwerer zu erlernen als die fünf Fausttechniken.

Viele Xingyiquan Schüler erlernen nur ein oder zwei der Tierformen. Bei den Tierformen kann dies flexibel gestaltet werden.

 

Xingyiquan und Waffen

Xingyiquan kennt auch den Umgang mit Waffen. Natürlich mit dem Speer, schließlich soll diese militärische Kampfkunst einmal aus Kampftechniken für den Speer entwickelt worden sein.

Daneben gibt es Waffenformen mit Schwert, Säbel oder Langstock.

 

Ursprung und Geschichte von Xingyiquan

Die Herkunft von Xingyiquan liegt im Dunkeln.

Die häufigste Legende von seiner Entstehung ist bereits die Geschichte einer Wiedergeburt.

Der Gelehrte Ji Long Feng (Ji Ji Ke) soll einmal bei einem Unwetter in einem verlassenen Tempel Unterschlupf gefunden haben. Das soll um das Jahr 1640 herum gewesen sein.

Im Tempel stand die Statue des legendären Generals Yue Fei, der 500 Jahre zuvor gelebt hatte. General Yue Fei gilt als der Begründer mehrerer Kampfsysteme, unter anderem auch der Übungsreihe der „Acht Brokate“ und des „Adlerklauen Gongfu“.

An der Statue tat sich eine Öffnung auf. In dieser Öffnung steckte eine Schriftrolle. Diese trug den Titel: „Yue Fei´s Sechs Harmonien – Faustmethode von Form und Bewusstsein“ und enthielt die Prinzipien und Bewegungen für Xingyiquan.

Der Gelehrte Ji Long Feng studierte diese Schriftrolle und begann, nach den Anweisungen der Schriftrolle zu üben. So wurde er zum Meister in dieser Kampfkunst und gab sie an seine Schüler weiter.

Hier mehr Informationen zum Thema: Xingyiquan beim freien Lexikon Wikipedia

 

Der Name: Xingyiquan

Der Name setzt sich zusammen aus den Schriftzeichen: „Xing“, „Yi“ und „Quan“.

– Xing: Form, Körper

– Yi: Vorstellungskraft, Bewußtsein

– Quan: Faust, Kampfkunst

Das Wort „Xingyiquan“ wird häufig übersetzt mit „Freier Geist Boxen“. Oft kurz auch mit „Formboxen“ oder „Geistboxen“. Damit soll ausgedrückt werden, dass die Bewegungen im Geist entstehen.

Manchmal wird auch der Name „Hsing-I Chuan“ benutzt, was einfach nur eine andere Übersetzung ist für „Xing Yi Quan“.

Andere Wörter für „Xingyiquan“ sind: „Xinyi Lu He Quan“ (Freier Geist sechs Kombinationen Boxen), „Liu He Quan“ (Sechs Kombinationen Boxen).

 

Xingyiquan in Deutschland – Schulen

Es gibt nicht viele Lehrer, die Xingyiquan in Deutschland unterrichten, aber ein paar gibt es doch.

Dresden – Trainingsgruppe Chang Jiang: www.taiji-dresden.de

Göttingen – Tai Chi Schule Göttingen: www.tai-chi-schule-goettingen.de

Neuss – Ying Men Schule Neuss e.V.: www.yingmen-schule.de

Münster – Neijia GongFu e.V.: www.neijiagongfu.de

Mainz-Finthen – TAIJIDAO bei Bernd Kratz: www.sureshwara.de

Friedrichshafen – Die Pagode – Zentrum für traditionelle Bewegungs- und Kampfkunst: www.die-pagode.de

 

Xingyiquan moderner Klassiker – Buch (Englisch): Wo kommt diese Kampfkunst her? Was sind ihre theoretischen Grundlagen? Eine Darstellung der Techniken in Wort und Bild. Partnerübungen und Waffenformen.: Xingyiquan: Theory, Applications, Fighting Tactics and Spirit. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Welche Notwehr-Waffen sind erlaubt? - Buch: Was freie Waffen sind. Wann man sie erst einsetzen darf. Warum selbst Schutzausrüstung verboten ist.: Ratgeber Freie Waffen: Schlagwaffen | Hieb- und Stichwaffen | Wurf- und Schleuderwaffen | Bogenwaffen | Schusswaffen | Reizstoffwaffen | Elektroimpulswaffen uvm. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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