Yiquan Kampfkunst – die Innere Kraft bewegungslos trainieren

Yiquan ist eine innere Kampfkunst aus China. Sie ist verhältnismäßig jung und will die Inneren Kampfkünste wieder zu ihren Wurzeln zurück bringen. Nur das nötigste üben, das aber richtig und effektiv.

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Die Yiquan Übungen sind einfach und sehen harmlos aus. Sie sind trotzdem ein verhältnismäßig leichter Weg, die innere Kraft aufzubauen und anzuwenden. Der Erfolg kommt viel schneller, als in den anderen Inneren Kampfkünsten.

Die Vorstellungskraft trainiere ich im Yiquan und nicht den Körper. Den Körper mit der Vorstellungskraft bewegen und nicht mit der Muskelkraft. Das Ergebnis sind überragende Kampffähigkeiten und eine stabile Gesundheit.

Die Yiquan Übungen sind das Destillat der Inneren Kampfkünste

Der Begründer von Yiquan ist Wang Xiangzhai (1885–1963). Er war ein begeisterter Kampfsportler und auf der Suche nach der besten Kampfkunst. Sein Interesse galt den Inneren Kampfkünsten. Er studierte die Techniken von Tai Chi Chuan, Ba Gua Zhang und Xing Yi Quan.

Er war überzeugt vom Potenzial der Inneren Kampfkünste, sah deren Potenzial aber immer mehr verschüttet durch die Art, in welcher die Inneren Kampfkünste unterrichtet wurden.

Seiner Meinung nach wurde der Unterricht überfrachtet mit unrealistischer Theorie und unnützer Philosophie. Beim Üben würde viel zuviel Wert auf die Formen gelegt. Die schön aussehen würden mit ihren komplizierten Bewegungen, für den Kampf aber nicht zu gebrauchen wären. Dafür würden grundlegende Prinzipien beim Lernen sogar vernachlässigt.

Mit dieser Kritik stand er nicht allein, er wandte sich aber nicht resigniert ab, er suchte nach einer Lösung.

Mit Yiquan entwickelte Wang Xiangzhai eine Innere Kampfkunst, die einfach zu lernen ist und in kurzer Zeit enorme Fortschritte bringt. Das gelang im dadurch, dass er alle überflüssigen Übungen wegließ und die verbliebenen Übungen weitmöglichst vereinfachte.

Wang Xiangzhai wurde zu Lebzeiten schon legendär, durch seine Siege in Zweikämpfen. Schläge gegen ihn schienen nutzlos zu sein. Er hingegen konnte mit kleinsten Bewegungen seine Gegner niederwerfen oder fortschleudern. Große, kräftige Männer schmetterte der kleine, schmächtige Wang Xiangzhai zu Boden. So als hätten sie dabei einen Stromstoß erhalten.

Die Lösung

Um diese Fähigkeiten zu erreichen, verzichtete Wang Xiangzhai auf das Lernen einer Form. Er trainierte seine Fähigkeiten nur mit der Vorstellungskraft. Keine Schläge, Tritte, Würfe oder ähnliches. Ein Verzicht beim Üben auf äußere Bewegungen.

In einem Kampf kann ein Yiquan Kämpfer nicht auf eingeübte Techniken zurückgreifen, er setzt intuitiv die geübten Prinzipien kraftvoll um. Die Kampftechniken entstehen spontan.

Innere Bewegungen übe ich durch Vorstellungsbilder im Kopf. Der Körper trainiert durch den Geist. So werden Muskelbewegungen bis in tiefe Schichten bewirkt. Es ist eine Art Bodybuilding von innen. Zuerst sind es unscheinbare, unbeholfene Mikrobewegungen, die dann immer größer und schneller werden.

Im Yiquan gibt es keine Waffentechniken. Wer gerne Yiquan mit Waffen trainiere möchte, der kann Taikiken lernen.: Taikiken – japanische Variante der Kampfkunst Y i q u a n

Die Yiquan Übungen sind auch eine gute Ergänzung für das Üben anderer Kampfsportarten.

Der heutige Spitzensport hat solche Techniken auch für sich entdeckt. Durch Visualisierungen werden die Leistungen verbessert.

 

Im Video (Dauer 12:39 Minuten) stellt sich im Folgenden die Yiquan Gruppe Erfurt vor. Was Yiquan ist und wie man es unterrichtet.

 

Was bedeuet der Name „Yiquan“

Der Name „Yi Quan“ ist entlehnt dem Namen der Inneren Kampfkunst „Xing Yi Quan“.

Weggelassen wurde das Zeichen „Xing“, das für die „Form“ steht. Denn Yiquan wird ja ohne äußere Form geübt. Das fehlende „Xing“ ist somit ein unsichtbarer aber wichtiger Teil des Namens „Yi Quan“.

Weiter setzt sich Yiquan zusammen aus den Zeichen „Yi“ und „Quan“.

Yi bedeutet: Vorstellungskraft

Quan bedeutet: Faust bzw. Kampfkunst.

Darum wird der Name „Yiquan“ auch oft übersetzt mit „Geist-Kampfkunst“ oder „Geist-Boxen“.

Weitere Namen für die innere Kampfkunst „Yiquan“ sind: „I-Chuan“, „Zen-Boxen“, „Spontanes Boxen“, „Mind-Boxing“, „Intention Boxing“.

Ein weiterer bekannter Name ist: „Da-Cheng-Quan“ (Great Achievement Boxing). Was übersetzt werden kann als „Kampfkunst der großen Vollendung“. Dieser Name stammt von euphorischen Schülern von Wang Xiangzhai. Doch Wang Xiangzhai selbst lehnte diese Bezeichnung ab, da keine Kampfkunst jemals vollendet sein könne. Außerdem war ihm die Betonung auf die Vorstellungskraft (Yi) besonders wichtig. Trotzdem taucht dieser Name heute immer noch auf.

 

Die Yiquan Übungen im Einzelnen

 

Zhan Zhuang – Stehen ohne äußere Bewegung

Das Zhan Zhuang ist eine Standmeditation und trägt auch den Namen: Stehen wie ein Baum.

Zudem ist Zhan Zhuang eine grundlegende Übung in allen Inneren Kampfkünsten. Im Yiquan aber ist es die zentrale Übung, die drei Viertel der Trainingszeit ausmacht, auch bei den Fortgeschrittenen.

Allerdings gibt es im Yiquan nicht nur eine Standposition. Es gibt viele verschiedene Positionen. Es gibt die Position, in der die Hände einen imaginären Baum umarmen, oder in einem hohlen Baum zu stehen und von innen gegen ihn drücken. In einer anderen Position liegen die Hände auf einer vorgestellten Wasseroberfläche. Dann wiederum halten sie einen imaginären Ball. Der Ball ist abwechselnd mal ein Luftballon und mal ein Medizinball. Mal ist der imaginäre Ball aus Papier, mal aus Holz und mal aus Eisen. Der Körper steht im Ozean und das Wasser strömt gegen ihn, einmal von vorn und einmal von hinten. Es gibt „Standpositionen“ auf einem Bein, im Sitzen und im Liegen. Jede dieser Positionen wird längere Zeit gehalten.

Die Kraft entwickelt sich aus der Entspannung. Durch ein geistiges und körperliches Entspannen wird die benötigte Muskelkraft reduziert und die innere Kraft entsteht, unterstützt durch eine optimale innere Struktur. Die unterschiedlichen Standpositionen sind auch so konzipiert, dass die Energie ganz unterschiedlich durch den Körper strömt.

Nicht Wille sondern Vorstellung

Es geht nicht darum, mit einer großen Willenskraft eine Position möglichst lange aushalten zu können. Es geht darum, immer entspannter stehen zu können, bis es sich anfühlt wie eine federleichte Zen-Meditation. Verkrampfungen, Blockaden und Spannungen werden abgebaut. Die angeborenen natürlichen Fähigkeiten werden wieder freigelegt.

Es gibt auch eine Standposition, in der jede Hand einen imaginären kleinen Ball hält, diese beiden kleinen Bälle halten zwischen sich einen größeren Ball, der wiederum einen noch größeren Ball gegen die Brust drückt.

Es gibt das innere Bild von Druckfedern und Zugfedern. Diese Metallfedern drücken beispielsweise zwischen den Fingern oder zwischen den Knien.

Jede Vorstellung löst ein Training im Inneren des Körpers aus. Dieses Training geschieht unbewußt und so tief und fein, wie es mit körperlichen Übungen nicht möglich wäre.

Auch Training für den Kampf

Diese Standpositionen trainieren nicht nur die innere Kraft für eine Kampfanwendung, sie sind auch gut für die Gesundheit. Die Zhan Zhuang Übungen gehören in chinesischen Kliniken zum Therapiekonzept. So können Patienten ihren Heilungsprozess mitgestalten, sowohl stationär als auch ambulant. Mit den Positionen im Sitzen und im Liegen können auch Patienten ihren Körper trainieren, die für andere Übungen zu schwach sind. Ganz abgesehen von der Heilkraft für die Psyche, die von den Zhan Zhuang Übungen ausgeht.

Auch zur Vorbeugung von Krankheiten und Beschwerden werden die Zhan Zhuang Übungen gerne eingesetzt. Die Gesundheitspflege (Yiquan Yangsheng) läßt dann die höheren Yiquan Übungen weg, die nur für das Kampftraining interessant sind. So wird aus der Inneren Kampfkunst eine Innere Heilkunst für körperlich und geistige Gesundheit. Die Selbstheilungskräfte werden gestärkt.

 

Das Video (Dauer 50:00 Minuten) gibt im Folgenden eine Anleitung zum Yiquan lernen.

 

Shi Li – anfangen, sich mit der Inneren Kraft zu bewegen

Die Shili Übungen sind Bewegungen der Arme. Die Arme werden mit der Inneren Kraft bewegt, die in der Standmeditation aufgebaut wurde.

Die Bewegungen sind winzig. Für einen Zuschauer gibt es nicht viel zu sehen. Die Übende steht und die Arme bewegen sich ein wenig. Wie diese Bewegungen entstehen, macht sie so besonders.

Der Körper bewegt sich mit der Vorstellungskraft. Dafür stellt sich der Übende vor, er würde sich unter Wasser bewegen, die ganze Zeit gegen den Wasserwiderstand. All dies funktioniert nur, wenn sich der Körper als eine Einheit bewegt.

Shili wird übersetzt mit: das „Schmecken der inneren Kraft“, das „Testen der Kraft“, das „Spüren der Kraft“, das „Kosten der Kraft“, das „Probieren Kraft“, die „Kraftprobe“ oder einfach nur „Zhanzhuang in Bewegung“. Viele Namen für etwas, das sich schwer beschreiben läßt.

Wichtig ist es nicht nur, die innere Kraft zu spüren und sich mit ihr zu bewegen. Beim Bewegen darf die innere Kraft auch nicht mehr verloren gehen.

 

Mo Ca Bu – weiter geht es mit den Beinen

Mocabu ist das Schritttraining. Die innere Kraft bewegt jetzt auch die Beine.

Mocabu trägt auch Bezeichnungen wie der „reibende Schritt“ oder kurz „Reibeschritt“. Der Übende stellt sich vor, er würde knietief im Morast stecken und gegen den Widerstand des Schlamms die Beine zu bewegen.

Diese Übung verwenden chinesische Kliniken auch für Patienten mit Beinproblemen.

Mocabu kombiniert man dann mit Shili. Mit den Beinen bewegen sich auch die Arme, angetrieben durch die innere Kraft.

 

Fa Li – die Explosionskraft

Beim Fali wird mit der inneren Kraft ein äußeres Objekt beeinflußt. Es ist eine erweiterte Shili-Übung.

Fali trägt zudem auch Namen wie „explosive Kraft“ oder auch „die Kraft aussenden“.

Der Übende lernt, die innere Kraft zu speichern und in einem ausgewählten Moment explosionsartig abzugeben. So kann später einmal ein Gegner aus der Entspannung heraus umgestoßen oder sogar meterweit fortgeschleudert werden.

Idealerweise wird dies einmal mit jedem Körperteil möglich sein. Nicht nur mit den Händen sondern auch mit Ellbogen, Knie, Rücken usw.

Das Fali Training ist für Kampfsportler hochinteressant. So kann ein Gegner schon beim ersten Körperkontakt niedergestreckt werden. Wer Yiquan aber nur für seine Gesundheit lernt, für den ist das die erste Übung, die ich dann weggelassen kann.

 

Shi Sheng – der Yiquan Schrei

Shisheng ist schließlich das Stimmtraining.

Der Einsatz der Stimme gehört zu vielen Kampfsportarten. Zunächst einmal, um durch Schreien einen Gegner aus dem Konzept zu bringen und abzuschrecken.

Dann geht es auch darum, die Energie der Lunge und des ganzen Atemapparates mit zu nutzen. Denn Schreie produziere ich durch die Atmung. Sie sind dabei auch ein Zeichen für eine innere Arbeit.

Beim Schreien ändert sich auch meine innere Struktur. Ich erzeuge damit eine innere Kraft.

Im Yiquan können mit Shisheng die Laute „Yi“ und „You“ die innere Kompression im Fali Training unterstützen.

Irgendwann werden die Laute dann nur noch innerlich freigesetzt und sind dabei gar nicht mehr zu hören.

 

Tui Shou – Yiquan mit einem Partner

Das ist das erste Partnertraining im Yiquan. Nach festgelegten Bewegungsabläufen arbeite ich vor allem mit den Armen gearbeitet. Es ist eine Shili Übung zu Zweit.

Ein Tuishou Training gibt es beispielsweise auch im Tai Chi Chuan. Da trägt dann auch Namen wie beispielsweise „Pushing Hands“, „Schiebende Hände“ oder auch „Klebende Hände“.

Die Übungen mit dem Partner testen einerseits die innere Struktur, andererseits die Sensibilität und schließlich auch die inneren Kraft.

Während ich die eigene Struktur erhalte, suche ich dabei nach Lücken in der Struktur des Partners. Ich versuche, den Partner einerseits zu destabilisieren und andererseits zu kontrollieren. So finde ich einerseits Schwachstellen und trainiere andererseits meine Reflexe. Die Steuerung der Bewegungen geht weg vom Sehen und hin zum Fühlen.

 

San Shou – Yiquan Kampfübung

Sanshou ist die zweite Partnerübung im Yiquan und eine Erweiterung des Tuishou Trainings. Es ist der Einstieg in den Freikampf.

Sanshou trägt zudem auch Bezeichnungen wie „Zerstreuende Hände“ oder „Brechenden Hände“.

Hier sind dann keine Bewegungsabläufe mehr vorgegeben. Ich wende die gelernten Techniken dabei frei an.

Im Sanshou praktiziere ich dann das automatische Kämpfen. Dabei übernehmen Instinkte und Reflexe das Kommando.

 

Jian Wu – freies Tanzen

Jianwu ist auch gekannt als „Gesundheitstanz“. Vorbild sind wohl alte schamanische Tänze.

In dieser Übung steht, wie der Name schon sagt, die Gesundheit im Vordergrund. Obwohl ich auch so die Fähigkeiten für die Kampfkunst stärken kann.

Jianwu ist keine Zusatzübung, es ist die höchste Stufe im Yiquan, was die innere Arbeit betrifft.

Die Yiquan Übungen und Techniken vereinigen sich in einem Tanz. Dieser Tanz setzt sich zusammen aus vier kleinen Tänzen: Welle spielen, Weiße Kranich, fliegende Drache und erschreckende Schlange. Die Bewegungen sind aber nicht streng festgelegt. Der Tanz ist intuitiv.

 

Sonstiges zur Inneren Kampfkunst Yiquan

Mehr Informationen beim freien Lexikon Wikipedia: Y i q u a n – ansehen auf Wikipedia

Yiquan Seminare mit Jumin Chen im deutschsprachigen Raum und eine Liste autorisierter Lehrer: Europäischen Y i q u a n Akademie

 

Yiquan lernen – Buch mit DVD: Ist das Buch vom Yiquan Lehrer Jumin Chen, der seine Kurse in Deutschland und Österreich gibt. Die Übungen werden einzeln und im Detail beschrieben. Die DVD erleichtert das Erlernen der einzelnen Übungen.: Y i q u a n – Der Weg zur Gesundheit. Buch und DVD. – ansehen bei Amazon

 

Im Straßenkampf überleben – Buch: Das Wissen, das man nicht im Dojo lernt. Rechtzeitig erkennen, wenn jemand einen unerwartet angreifen will. Wie reagieren, wenn jemand einem böse Blicke zuwirft? Tricks und Geschichten.: Billige Tricks, Hinterhalte und andere Lektionen: Ein grundlegendes Handbuch über die Selbstverteidigung und das Überleben. Buch. – ansehen bei Amazon

 

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