Innere Kampfkunst – ein Vergleich der Stile

Aus Kung Fu Filmen kennt man den alten Meister mit einem langen, weißen Bart. Er kämpft selten, aber wenn er kämpft, dann besiegt er viele große, kräftige Gegner scheinbar mühelos. In diesen Legenden steckt ein Körnchen Wahrheit. So etwas ist nur möglich mit den Techniken der Inneren Kampfkünste.

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Eine Innere Kampfkunst hat ganz andere Trainingsprinzipien, mit denen die Innere Kraft aufgebaut wird. In einem entspannten Körper steckt viel mehr Kraftpotenzial als in einem festen Körper. Gleichzeitig kann die Angriffsenergie eines Gegners abgeleitet bzw. an den Angreifer zurückgegeben werden.

Eine Innere Kampfkunst ist auch eine hervorragende Gesundheitsübung. Viele Menschen üben begeistert Tai Chi Chuan, ohne überhaupt zu wissen, dass sie gerade eine Kampfkunst trainieren. Die inneren Übungen trainieren auch die Gesundheit wirkungsvoll von innen.

Die Übungen einer Inneren Kampfkunst sind auch ein wirkungsvolles zusätzliches Training für andere Sportarten. Viele Kampfsportler trainieren zusätzlich eine Innere Kampfkunst, weil sie gemerkt haben, wie dies auch ihre Fähigkeiten in ihrer äußeren Kampfkunst verbessert. Es werden Bereiche des Körpers trainiert, die sonst durch Übungen nicht erreicht werden.

 

Innere Kampfkunst: die Stile

 

Tai Chi Chuan
Die Mutter aller inneren Stile. Von Kampfsportlern als „Rentner-Karate“ belächelt und als Gesundheitsübung auf der ganzen Welt geschätzt. Praktisch an jeder Volkshochschule gibt es dafür Kurse. Trotzdem gibt es nach wie vor Menschen, die Tai Chi Chuan als Kampfkunst trainieren. Es gibt auch viele Waffenformen im Schattenboxen.
Tai Chi Kampfkunst – eine realistische Selbstverteidigung?

Aikido
Der friedliche Kampfsport aus Japan. Die alten, blutigen Kampftechniken der Samurai wurden umgewandelt in die Kunst, einen Gegner so lange ins Leere laufen zu lassen, bis er aufgibt. Es gibt keine Gewichtsklassen oder Einteilung nach dem Alter. Mit den richtigen Techniken spielt so etwas keine Rolle.
Aikido – ein kreisender Körper spricht mit der Angriffsenergie

Weißer Kranich Kung Fu
Ist eine Mischform aus Äußerer und Innerer Kampfkunst. Zuerst werden äußere Kampftechniken gelernt und dann beginnt langsam das innere Training. Ist gut für alle, die beides in einem Stil trainieren wollen.
Weißer Kranich Kung Fu – der Kampfstil eines scheinbar schwachen Tieres

Yiquan
Eine Kampfkunst und Gesundheitsübung, die fast nur aus inneren Techniken besteht. Die meiste Zeit über steht der Übende in verschiedenen Positionen und trainiert seinen Körper nur durch seinen Geist mit Hilfe der Vorstellungskraft. Für geschwächte Personen geht dies auch im Sitzen oder Liegen.
Yiquan Kampfkunst – die Innere Kraft bewegungslos trainieren

Taikiken
Ist die japanische Version von Yiquan. Im Vordergrund steht aber das Kampfsporttraining und nicht die Gesundheit. Besonders der Umgang mit Waffen ist dazu gekommen. Wird in japanischen Kampfsportschulen auch häufig als Zusatzübung trainiert.
Taikiken – japanische Variante der Kampfkunst Yiquan

Baguazhang
Der Übende geht die meiste Zeit im Kreis in wechselnden Schrittfolgen und Armdrehungen. Der Körper verdreht sich auch in sich selbst. So wechselt auch regelmäßig die Körperhöhe. Immer in Bewegung und nicht zu fassen kann es ein Baguazhang Kämpfer mit mehreren Gegnern gleichzeitig aufnehmen. Passionierte Barfußläufer können so ein ganz neues Laufgefühl erwerben.
Baguazhang – selbst für viele Gegner nicht zu greifen

Xingyiquan
Die Innere Kampfkunst für das Schlachtfeld. Alles passiert auf einer Linie. Jeder Angriff endet mit einem sofortigen Sieg über den Gegner. So wie man auf dem Schlachtfeld weder nach links noch nach rechts ausweichen kann und den gegenüber stehenden Feind so schnell als möglich besiegen sollte.
Xingyiquan – die Innere Kampfkunst zum austoben

Wasserstilboxen
Das Wasserstilboxen ist eine Innere Kampfkunst aus China. Die Form ist wie ein Mix aus allen Inneren Kampfkünsten. Mal schnell, mal langsam, mal hoch, mal tief. Jede existierende Technik scheint im Wasserstilboxen enthalten zu sein. Ist etwas für Kampfsportler, welche die ganze Palette der Inneren Kraft kennenlernen wollen.
Wasserstilboxen (Liu He Ba Fa) – kombiniert stillen See mit hartem Eiszapfen und flüchtiger Wolke

Tongbeiquan
Diese chinesische Innere Kampfkunst baut besonders die Innere Kraft im Rücken auf. Vorbild für die Techniken sind die Bewegungen eines Affen. Hier kann sich der Übende richtig austoben. Besonders geeignet für alle, die ihren Rücken und ihren Hals stärken wollen.
Tongbeiquan – boxen wie ein wild gewordener Affe

Gatka
Dieser uralte Kampfsport kommt aus Indien. Er gilt als die Mutter aller Inneren Kampfkünste überhaupt. Es ist der Kampfstil der Sikhs. Zum Training gehören auch mit spirituelle Praktiken aus dem Kundalini Yoga.

Kalarippayat
Eine Innere Kampfkunst aus Indien. Die Übungen wurden entwickelt aus dem Tantra Yoga. Indische Mönche brachten die Techniken nach China. Daraus sollen sich dann Qigong, Kung Fu und Tai Chi Chuan entwickelt haben.
Kalarippayat – der älteste Kampfsport der Welt baut auf Yoga

Zi Ran Men
Eine chinesische Innere Kampfkunst. Wird auch „natürliches Boxen“ genannt, weil sich das Üben ganz auf Innere Kraft und Reflexe konzentriert. Es werden keine äußeren Techniken gelehrt. Der Übende lernt, sein Qi zu kontrollieren und einzusetzen. Sehr Sagenumwoben und nur etwas für Freaks.
Zi Ran Men – spontane Kampfsport Techniken sich entwickeln lassen

I Liq Chuan (Kampfkunst der Achtsamkeit)
Eine sehr junge Kampfkunst. Wurde erst in den 1990er Jahren im Westen eingeführt. Setzt sich zusammen aus den Sechs Physischen Punkten, den Drei Mentalen Kriterien, Achtsamer Meditation, den Fünfzehn Basisübungen, der Formenlehre und dem Partner Training.

Dim-Mak
Kommt aus China. Ist eine Innere Kampfkunst, nimmt aber einen Sonderplatz ein. Ist auch bekannt unter dem Namen: Giftige Hand. Ziel ist das gezielte Schlagen auf Energiepunkte. Es erfordert eine große Kenntnis von Anatomie, den Energiekreisläufen und eine gute Schlagtechnik. Die gelernten Techniken können nicht am lebenden Objekt ausprobiert werden, da sie Verletzungen hervorrufen können bzw. sogar tödlich sind. Ist verwandt mit Kyusho.
Dim-Mak – der Mythos tödliche Berührung der Nervenpunkte

Kyusho
Kommt aus Japan. Es wird gezielt auf die Vitalpunkte eines Gegners geschlagen. Ziel ist es, den Gegner vorübergehend außer Gefecht zu setzen. Ihn in einen „Sekundenschlaf“ zu versetzen. Zu den Techniken gehört aber auch die Behandlung von Verletzungen. Auch die Kenntnis sexueller Punkte gehört dazu; im weitesten Sinne.
Kyusho Jitsu – gezielte Fingerstöße auf die Vitalpunkte

 

Der Name: „Innere Kampfkunst“

Der Chinesische Name für „Innere Kampfkunst“ ist: „Neijia Quan“ (Nei = innen; Jia = Familie, Stil, Schule; Quan = Faust, Kampfkunst)

Andere Bezeichnungen für Innere Kampfkünste sind: Innere Stile, Weiche Kampfkünste, Soft Martial Arts

 

* Was ist gemeint mit: „Innen“

Die chinesische Sprache ist vieldeutig. Darum kann das Zeichen für „innen“ auch mehrfach gedeutet werden.

– Innerhalb einer Familie.
Die Techniken werden nur an einen ausgewählten Personenkreis weitergegeben. In der Regel innerhalb der Familie, weil die Kampfkunst das Handwerk ist, von dem auch zukünftige Generationen noch leben sollen.

– Die innere Schule.
Unterrichtet wurde früher auf einem Hof, hinter den Mauern der Schule. Der Unterricht konnte von außen nicht beobachtet werden.

– Die eigentliche Technik ist von außen nicht zu sehen.
In einer Inneren Kampfkunst wird viel mit der Vorstellungskraft gearbeitet. Wer nur die äußere Übung praktiziert und nicht weiß, was er sich beim Üben vorstellen soll, der kommt in seinen Fähigkeiten nicht weiter.

– Trainiert wird die Innere Kraft.
Beim Training werde nicht die Muskeln gestärkt, die äußerlich zu sehen sind. Es werden Sehen, Bänder, Knochen und Muskeln im Körperinneren gestärkt. Ganz nach dem Tai Chi Bild: „Eine in Watte eingehüllte Stahlnadel.“

 

Im Video (Spieldauer 06:23 Minuten) geht es um das „Ki-Training für Kampfkünste“. Was unterschiedet innere von äußeren Bewegungen.

 

 

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Eine Übersicht mit weiteren Informationen zu Kampfsportarten ist auf der Startseite zu finden.




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